Am Samstag, 28. März 2026, findet der diesjährige Tag der Astronomie statt. Der Mond ist zu drei Vierteln beschienen und zeigt in den Abendstunden den «Goldenen Henkel». Venus ist nur etwas mehr als eine Stunde als «Abendstern» zu sehen, dafür können wir Jupiter hoch in den Zwilligen beobachten.
Beitrag: Thomas Baer, Redaktion ORION
Die Welt der Sterne ist den meisten von uns nur wenig bekannt. Vom Grossen Wagen hat jeder schon einmal gehört, doch wo findet man ihn? Und kann ich eigentlich mein «Sternzeichen» auch am Himmel entdecken? Welcher der vielen Sterne ist vielleicht ein Planet? Am 28. März 2026 laden Veranstalter in der ganzen Schweiz und Deutschland wieder dazu ein, um genau diese Fragen zu beantworten – und die Welt der Sterne mit den eigenen Augen zu erkunden – zur besten Sichtbarkeit des Mondes und des Gasriesen Jupiter.
Warum gibt es einen Tag der Astronomie?
Der Astronomietag (auch Tag der Astronomie) ist ein jährlicher Aktionstag, der von Amateurastronomen und astronomischen Gesellschaften einiger Länder ausgerichtet wird, um einer breiten Öffentlichkeit die Astronomie und Raumfahrt und allgemein die Naturwissenschaften näher zu bringen und ihr Interesse dafür zu wecken. Offiziell zum ersten Mal fand ein solcher Astronomy Day 1973 in Kalifornien statt. Später schwappte die Idee nach Europa über. In der Schweiz fanden in unregelmässigen Abständen Astronomietage bereits in den späten 1980-er Jahren statt, namentlich zur grossen Marsopposition 1988.
In Deutschland wurde ein solcher Astronomietag erstmals 2003 – ebenfalls zur grossen Marsopposition – durchgeführt. Seit 2010 organisieren die Schweizerische Astronomische Gesellschaft SAG-SAS und die Vereinigung der Sternfreunde VdS in Deutschland den Anlass gemeinsam.

Am 27. Juli 2018 organisierte die Astronomische Gesellschaft Luzern zur Jahrhundert-Mondfinsternis eine «Strassen-Sternwarte», um dem interessierten Publikum das Ereignis zu zeigen. (Bild: AGL)
Wie kommt es zum «Goldenen Henkel» am Mond?
Zwischen 10 und 11 Tagen nach Neumond liegt die Tag-Nacht-Grenze auf dem Mond so, dass sie genau über die Ebene Sinus Iridum (Regenbogenbucht) verläuft. Die Gipfel des Juragebirges liegen zu Beginn noch im Schatten, doch geraten die höchsten Gipfel bereits ins Licht der aufgehenden Sonne, während die Ebene noch ganz im Schatten liegt. So sieht es eine zeitlang aus, als habe der Mond einen «Henkel».
Am Abend des Astronomietags kann der «Goldene Henkel» am Mond gesehen werden. (Bild: Thomas Baer, Redaktion ORION)
Venus als Abendstern, Jupiter hoch in den Zwillingen
Nach Sonnenuntergang können wir im Westen noch eine ganze Weile die helle Venus als Abendstern sehen. Sie geht allerdings bereits gegen 20:30 Uhr MEZ unter. Dafür können wir Jupiter hoch in den Zwillingen beobachten. Seine vier hellen Monde sind alle sichtbar, Kallisto östlich des Planeten, Io und Europa nahe beisammen und Ganymed noch fast in grösster Elongation auf der westlichen Seite.
Hier sehen wir die Stellung der Jupitermonde um 22:00 Uhr MEZ. (Grafik: Thomas Baer, Redaktion ORION)
Die ISS am Astronomietag
Kurz vor 19:30 Uhr MEZ erscheint die Internationale Raumstation ISS. Wir können sie zuerst im Westnordwesten entdecken, wenn sie gegen 19:20 Uhr MEZ östlich des Pegasus erscheint und in Richtung Widder fliegt. Sie passiert den Stier und fliegt knapp südlich an Beteigeuze im Orion vorbei.

Ab 19:20 Uhr MEZ taucht die ISS am Himmel auf. Es wird der einzige Überflug an diesem Abend sein. (Grafik: Thomas Baer)
Der Sternenhimmel am Astronomietag
Am Astronomietag 2026 befindet sich der Sternhimmel in der Übergangszeit von den Winter- zu den Frühlingssternbildern. Wenn es abends dunkel wird, kann man sich noch an den funkelnden Sternen des Winterhimmels erfreuen: Sirius, der hellste Stern am Nachthimmel, ist der Hauptstern des Sternbilds Grosser Hund und fällt als erstes ins Auge. Nicht weit davon entfernt bilden die sieben Sterne des Himmelsjägers Orion eine prägnante Figur mit der Beteigeuze oberhalb und dem Fussstern Rigel unterhalb der drei aufgereihten Gürtelsterne, die den Weg zum berühmten Orionnebel weisen. Von den Wintersternbildern geht der Stier mit dem Hauptstern Aldebaran im Frühjahr abends als erstes unter.
Über dem Orion hingegen stehen die Zwillinge und der Fuhrmann noch hoch am Himmel. Um Mitternacht haben sie dann aber den Frühlingssternbildern rund um den Löwen Platz gemacht. Zwischen den Zwillingen und dem Löwen fällt das Tierkreissternbild Krebs kaum auf. Bei klarem Himmel und fernab störender Lichter wird man mitten im Krebs einen Nebelfleck entdecken: den offenen Sternhaufen Praesepe, die Krippe. Steil über uns findet man jetzt die Grosse Bärin, deren sieben hellste Sterne die bekannte Figur des Grossen Wagens bilden.
In Südostrichtung erhebt sich Spica im Sternbild Jungfrau über den Horizont. Weiter nordöstlich funkelt der orange Arktur im Sternbild Bootes. Über dem Südhorizont schlängelt sich jetzt der vordere Teil des ausgedehnten Sternbilds Wasserschlange; bei nicht so klarem Himmel wird man allenfalls ihren hellsten Stern Alphard sehen können – sein Name bedeutet nicht ganz zufällig «der Einsame». Das kleine Sternbild Rabe hat sich gerade über den Horizont geschoben. Obwohl es nur aus schwächeren Sternen besteht, ist es aufgrund seiner kompakten Figur gut zu erkennen.

Sternkarte am Astronomietag (28. März 2026) um 22:00 Uhr MEZ. Venus ist bereits untergegangen. (Grafik: Thomas Baer)
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