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Der Sternenhimmel im Juni 2026

Thema des Monats: Wenn Planeten «hintereinander» stehen

Planetenbegegnungen sind optisch recht ästhetische Ereignisse, vor allem wenn es helle Planeten betrifft, wie am 9. Juni. Venus und Jupiter nähern sich an. Dies ist aber nur eine scheinbare Begegnung, die sich aus der Perspektive der Erde ergibt. In diesem Monat behandeln wir einmal die «ominösen Planetenketten», die es gerne in die Medien schaffen. Können die Planeten überhaupt in einer Reihe «hintereinander» stehen und kommt es vor, dass sich zwei Planeten während einer Konjunktion gar bedecken?

Beitrag: Thomas Baer, Redaktion ORION

In der Astronomie bedeutet der Begriff «Konjunktion» das optische Zusammentreffen zweier Himmelskörper. Er leitet sich aus dem Lateinischen «coniunctio» ab, was «Verbindung» oder «Zusammenhang» heisst. So können zum Beispiel die Planeten in Konjunktion mit der Sonne stehen. Die oberen Planeten Mars, Jupiter, Saturn, Uranus und Neptun «wandern» dann von der Erde aus betrachtet «hinter» der Sonne durch. Bei den unteren Planeten Merkur und Venus unterscheiden wir eine untere und eine obere Konjunktion. Bei der unteren wandert der Planet zwischen Sonne und Erde durch, bei der oberen ebenfalls «hinter» der Sonne.
Dann aber gibt es noch die Konjunktionen zwischen Mond und einem Planeten oder wie in unserem Fall, am 9. Juni, ein Aufeinandertreffen zweier Planeten. Wer an den vergangenen Abenden in der Dämmerung nach Nordwesten schaute, konnte die helle Venus und Jupiter sehen. Aufmerksamen Beobachtern ist dabei aufgefallen, dass «Abendstern» Venus immer enger zum etwas lichtschwächeren Jupiter aufschloss. Am engsten kommen sich die beiden Gestirne eben am 9. Juni. Sie trennen dann noch 1.6° voneinander und bilden ein auffälliges Paar. Natürlich ist dies nur eine perspektivische Anordnung, denn räumlich ist uns Jupiter mit seinen 904.5 Millionen km viel weiter entfernt als Venus (179 Millionen km). Nur ihre Sichtstrahlen zeigen von der Erde aus fast in dieselbe Richtung, wodurch dieses optische Aufeinandertreffen möglich wird.  


In dieser Grafik sehen wir links die räumliche Anordnung von Venus und Jupiter, während wir rechts die «irdische» Sicht sehen. (Grafik: Thomas Baer)

Planeten stehen nie in einer Linie

Wir erinnern uns noch an den 21. Dezember 2021, als sich viele Medien mit dem «Millenniums-Wechsel» des Maya-Kalenders mit verrückten Weltuntergangszenarien überboten und dabei noch eine angebliche Planetenkette ins Spiel brachten. Doch am besagten 21. Dezember 2012 bildeten die Planeten keine Reihe, wie schon der Blick in ein astronomisches Simulationsprogramm verriet. Die Planeten umkreisen die Sonne in harmonischen Verhältnissen. So wäre es nicht einmal möglich, dass der Zwergplanet Pluto, angenommen, er würde in derselben Ebene wie Neptun wandern, jemals mit diesem zusammenstossen könnte.
Von der Erde aus betrachtet, sind Planetenbegegnungen überdies keine Seltenheit. Jedes Jahr treffen sich zwei oder mehrere Mitglieder der Sonnenfamilie scheinbar am Himmel. Allerdings werden sie infolge der unterschiedlichen Bahnschrägen nie exakt hintereinander zu stehen kommen. Und eine gegenseitige Planetenbedeckung ist ein überaus seltenes Ereignis!


So werden die Planeten nie in Reih und Glied stehen. (Quelle: Wikipedia)

Lange ist es her – Als Mars Jupiter bedeckte
Da die Planeten leichte Abweichungen ihrer Bahnebenen haben, passiert es äusserst selten, dass zwei Planeten von der Erde aus betrachtet so perfekt auf einer Sichtlinie stehen und sich gegenseitig bedecken. Letztmalig fand eine solche gegenseitige Planetenbedeckung zwischen Mars und Jupiter statt, und zwar am 12. September 1170 zwischen 20:36 Uhr MESZ – 21:29 Uhr MESZ. Wir wissen dies, weil der englische Mönch Gervasius von Canterbury dieses Zusammentreffen tatsächlich beobachtete und beschrieb: «Gegen Mitternacht waren zwei Planeten so in Konjunktion miteinander zu sehen, als seien sie ein Stern. Aber sehr schnell waren sie wieder voneinander getrennt.» In der Tat war es so, dass die Bedeckung praktisch mit Aufgang des Jupiters ihren Höhepunkt hatte. Mars stand zu diesem Zeitpunkt im südlichen Teil vor dem Riesenplaneten. Zum Ende der Bedeckung stand das enge Paar nur knapp 4° über dem Horizont und trennte sich bis Mitternacht wieder auf 2′ 59″. Auf seiner Wanderschaft bedeckte Mars von 22:49.6 Uhr MESZ bis 23:01.8 MESZ auch noch den Mond Io und schrammte am frühen Morgen des 13. Septembers noch haarscharf nördlich an Ganymed vorüber. Die Beschreibung des Chronisten ist absolut zutreffend. Übrigens wurde das Ereignis auch von chinesischen Astronomen, verfolgt wie die beiden Planeten aufeinander zu liefen und sich schliesslich bedeckten.
Bis Mars das nächste Mal vor Jupiter durchwandert, brauchen wir viel Geduld, denn dieses Ereignis wird sich erst um die Mittagszeit und in den frühen Nachmittagsstunden des 2. Dezembers 2223 wiederholen, für Europa leider am Taghimmel. In nicht allzu ferner Zukunft aber gibt es eine partielle Bedeckung von Jupiter durch Venus, und zwar am 22. November 2065, ebenfalls am Tag zwischen 13:40:34 Uhr MEZ und 13:46:55 Uhr MEZ.

Planetenparaden alle paar Jahre
Rein statistisch gesehen, gibt es rund alle 15 bis 20 Jahre eine Planetenparade mit allen 7 Planeten, die wir von der Erde aus sehen können. Dann stehen entweder alle östlich der Sonne am Abendhimmel nach Sonnenuntergang oder westlich vom Tagesgestirn am Morgenhimmel. Verkleinern wird die Anzahl Planeten auf fünf bis sechs, so ist eine «Parade» alle rund 10 bis 15 Jahre möglich, mit vier Planeten alle 2 bis 3 Jahre. Eine «Mini-Parade» haben wir somit auch diesen Juni mit Merkur, Venus und Jupiter.

Viel mehr solche Ereignisse erwähnen wir in der Rubrik «Heute am Himmel», wo wir einen ausführlichen astronomischen Tageskalender führen. Überdies fasst das «Sternenhimmelheft 2026» von Astro Pool das Astronomiejahr 2026 illustrativ zusammen. Bestellen Sie bis zum 31. Juli 2026 bereits das «Sternenhimmelheft 2027» . Das Sonnenfinsternis-Spezialheft zu den grossen europäischen Sonnenfinsternissen bis 2030, erschienen im Verlag «Astro Pool» ist bereits ausverkauft. Auf die nächstjährige Sonnenfinsternis am 2. August 2027 planen wir eine 2. und aktualisierte Auflage. Sollten Sie in Ihrer Verwandtschaft Leute kennen, die im kommenden Jahr nach Tunesien oder Ägypten reisen wollen, wäre dieses Spezialheft sicher ein wertvoller und informativer Begleiter.

Der Sternenhimmel im Juni 2026

Sternkarte gültig am

1. Juni 2026 24:00 Uhr MESZ
15. Juni 2026, 23:00 Uhr MESZ
30. Juni 2026, 22:00 Uhr MESZ


Anblick des abendlichen Sternenhimmels im Juni 2026. (Grafik: Thomas Baer)

Astronomische Ereignisse im Juni 2026

Die schönsten Monatsereignisse im Überblick

SonneAm 21. Juni erreicht die Sonne um 10:25 Uhr MESZ ihre höchste Deklination mit 23° 26‘ im Sternbild Stiers. Wir erleben die Sommersonnenwende und damit den astronomischen oder kalendarischen Sommeranfang. Mittags gegen 13:29 Uhr MESZ steigt das Tagesgestirn in Aarau auf knapp 66° über den Südhorizont.
Während des gesamten Monats ändert sich der Tagbogen der Sonne kaum. Den frühesten Sonnenaufgang verzeichnen wir am 16. um 05:29 Uhr MESZ, fünf Tage vor dem längsten Tag des Jahres. Abends verspäten sich die Sonnenuntergänge nur noch geringfügig. Am 21. wird es erst gegen 00:29 Uhr MESZ wirklich Nacht, und diese dauert nur 1 Stunde und 56 Minuten; dann beginnt bereits wieder die astronomische Morgendämmerung.
MondNachdem wir am 31. Mai einen zweiten Vollmond im selben Monat hatten, nimmt der Erdtrabant in der ersten Juniwoche bis am 8. auf die Hälfte ab (Letztes Viertel). Vorerst hält sich der Mond am Morgenhimmel auf. Als abnehmende Sichel wandert er tief dem östlichen Horizont entlang und trifft am 10. auf Saturn und am 12. auf Mars. Am 14. lässt sich gegen 05:00 Uhr MESZ mit einem Fernglas die schmale Mondsichel nur 23.4 Stunden vor Neumond (am 15. Juni) sichten. In der zweiten Juni-Hälfte wechselt der Mond an den Abendhimmel. Er taucht vorerst als schmale Sichel auf und kann am 16. schräg rechts oberhalb von Merkur und am 17. direkt unter Venus gesehen werden. Das Erste Viertel (zunehmender Halbmond) ist am 21. erreicht, Vollmond verzeichnen wir am 30.
MerkurMerkur bietet eine sehr schöne Abendsichtbarkeit. Er startet –0.48mag hell in den Monat und steht um 22:00 Uhr MESZ noch immer etwas mehr als 7° hoch über dem Westnordwesthorizont. Am 15. steht er in grösster östlicher Elongation und steht dann mit 24.5° seitlichem Abstand am weitesten von der Sonne entfernt.


Am 16. Juni 2026 ist die schmale zunehmende Mondsichel bei Merkur, einen Tag später bei Venus zu sehen. (Grafik: Thomas Baer)
VenusVenus wandert durch die Zwillinge. Wer an den vergangenen Abenden in der Dämmerung nach Nordwesten schaute, konnte die helle Venus und Jupiter sehen. Aufmerksamen Beobachtern ist dabei aufgefallen, dass der «Abendstern» Venus immer enger zum etwas lichtschwächeren Jupiter aufschloss. Am engsten kommen sich die beiden Gestirne eben am 9. Juni. Sie trennen dann noch 1.6° voneinander und bilden ein auffälliges Paar. Venus passiert vom 18. bis 20. Juni den offenen Sternhaufen M44 (Krippe) im Krebs.


Die Venus-Jupiterkonjunktion am Abend des 9. Juni 2026 gegen 22:00 Uhr MESZ. Auch Merkur können wir in der Abenddämmerung sehen. (Grafik: Thomas Baer)
MarsAm Morgenhimmel zeigt sich zögerlich der Rote Planet Mars. Er vergrössert seinen Abstand zur Sonne auf 37° und kann im Widder, später dann im Stier gesehen werden. Am Monatsletzten finden wir ihn 4.5° südlich der Plejadensterngruppe.
JupiterJupiter steht mit Pollux und Kappa Geminorum in einer Linie und wandert langsam in Richtung Krebs. Seine abendliche Präsenz verkürzt sich weiter. Nach der Venus–Jupiter-Konjunktion eilt Venus dem Riesenplaneten östlich davon, während dieser immer tiefer absinkt und allmählich von der Sonne eingeholt wird.
SaturnDer Ringplanet wird im Laufe des ersten Sommermonats immer besser in der Morgendämmerung sichtbar, doch die kurzen Sommernächte lassen keine allzu lange Beobachtung zu.
UranusUranus bleibt nach seiner Konjunktion mit der Sonne noch unbeobachtbar.
NeptunNeptun hat sich nun doch ein Stück westlich von der Sonne entfernt bleibt aber infolge der früh einsetztenden Morgendämmerung ein schwieriges Beobachtungsobjekt.

Den täglichen Astrokalender mit viel mehr Informationen gibt es in der Rubrik «Heute am Himmel»

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