Thema des Monats: Die «Laurentius-Tränen» werden schon über 2’000 Jahre beobachtet
Dieses Jahr wird man die Perseiden-Sternschnuppen besonders gut beobachten können. Das Maximum fällt auf den frühen Morgen des 13. August, also in die Nacht nach der totalen Sonnenfinsternis über Spanien und damit in die dunkle Neumondnacht! Die Geschichte der «Laurentius-Tränen», wie der alljährlich wiederkehrende Meteorstrom auch heisst, reicht gut und gerne 2’000 Jahre zurück.
Beitrag: Thomas Baer, Redaktion ORION
Sie heissen Quadrantiden, Geminiden, Tauriden, Orioniden oder Aquariiden, die Sternschnuppenströme, die wir durch das Jahr hindurch beobachten können und immer die aus dem griechischen stammende Endung «-iden» haben und in der Astronomie mit dem «Herkunftssternbild», respektive der Lage des Radianten kombiniert werden. Die Endung selbst bedeutet «die Nachkommen» oder «die Kinder». Die Perseiden sind also gewissermassen «die Kinder des Perseus». Sie treten zwischen Mitte Juli bis Ende August in Erscheinung und erreichen jeweils um den 12. oder 13. August herum ihr Maximum. Historisch gesehen, zählen die Perseiden zu einem der am längsten beobachteten Sternschnuppen-Ströme überhaupt. Erste überlieferte Beobachtungen gehen auf das Jahr 36 v. Chr. zurück, wo man den Strom in Japan und Korea beobachtet hatte. In Mitteleuropa beschreibt eine Chronik aus dem Jahr 811 die Häufung von Meteoren um das besagte Datum herum. 1762 wurden die Perseiden erstmals als wiederkehrendes Ereignis durch den niederländischen Naturforscher Pieter van Musschenbroeck beschrieben.

Ab 23:00 Uhr MESZ am Abend des 12. August sind die Beobachtungsbedingungen bis in die Morgenstunden des 13. am besten. Doch bereits ab Mitte Juli lassen sich die ersten Vorboten der Perseiden beobachten. (Grafik: Thomas Baer)
Komet 109P/Swift-Tuttle
Wie die allermeisten Sternschnuppen-Ströme haben auch die Perseiden ihren Ursprung in einem Kometen, der bei seiner Sonnenumrundung Staub in der Umflaufbahn zurücklässt. Durchfliegt die Erde diese Staubwolke regelmässig einmal jährlich, werden die kleinen Partikel in der Hochatmosphäre eingefangen und aufgrund ihrer hohen Geschwindigkeit verdampft. Dabei werden Luftmoleküle ionisiert. Das Leuchten einer Sternschnuppe entsteht nicht primär durch das Verglühen, sondern durch die sogenannte Rekombination. Dies ist so zu verstehen: Die Atome verlieren vorübergend Elektronen, wodurch eine leuchtende Plasmakugel entsteht. Fangen die Atome die Elektronen wieder ein, wird die Energie in Form von Lichtblitzen abgegeben. Diese sehen wir als kurzzeitiges Aufblitzen.

Entstehung einer Sternschnuppe. (Grafik: Thomas Baer)
Komet 109P/Swift-Tuttle hat eine Umlaufszeit von rund 133 Jahren auf einer langgezogenen Ellipsenbahn. Der sonnennächste Punkt führt ihn bis auf 0.96 Astronomische Einheiten (AE) an die Sonne heran, also knapp 150 Mio. km, der sonnenfernste Punkt liegt mit 51.23 AE fast doppelt so weit weg wie Neptun (30.06 AE). Die Grösse des Kometenkerns wird auf etwa 26 km geschätzt.

Komet Swift-Tuttle in einer Zeichnung von von 1862. (Quelle: Wikipedia)
Bei seiner Rückkehr ins innere Sonnensystem 1862 passierte der Komet die Erde in einem Abstand von nur 51.1 Mio. km und bot eine spektakuläre Himmelserscheinung. Er soll sich mit einem rund 30° langen Schweif gezeigt haben. Die Astronomen berechneten damals eine Umlaufszeit von 120 Jahren – dies liessen die Beobachtungen vermuten. Somit hätte der Komet 1981/82 erneut auftauchen müssen. Doch zum grossen Erstaunen vieler Astronomen, konnte der Komet nirgends aufgefunden werden. Gut möglich, dass man nicht den «Perseiden-Kometen» beobachtet hatte oder aber der legendäre Komet Kegler aus dem Jahr 1737 (C/1737 N1) eine frühere Erscheinung von 109P/Swift-Tuttle war. Dieser wurde am 2. Juli 1737 entdeckt und später nach dem Astronomen Ignatius Kegler benannt, der ihn detailliert beobachtet hatte.
Brian Geoffrey Mardsen, Leiter des Minor Planet Center von 1978 bis 2006, war auch der Ansicht, dass die «Verspätung» des Kometen damit zu tun haben könnte, dass entweder der «falsche Komet» beobachtet wurde oder sich die Umlaufperiode durch Störungen der Planeten verändert hatte. Mardsen war auf «verschollene Objekte» mit ungenauen historischen Bahnberechnungen spezialisiert, und so wagte er eine Prognose von Swift-Tuttle auf das Jahr 1992. Tatsächlich erschien der Komet im September 1992. Er wurde durch den japanischen Amateurastronomen Tsuruhiko Kiuchi an der vorausberechneten Position tatsächlich wiedergefunden!
Anfang der 1990er-Jahre kam der Komet der Erde aber nicht näher als 174.3 Mio. km und blieb damals eine eher unscheinbare Erscheinung. Allerdings konnte man im darauffolgenden Sommer zwar ein etwas schwächeres Maximum als prognostiziert beobachten, war aber dennoch viel ausgeprägter mit hellen Feuerkugeln als alle Jahre zuvor!
Sternschnuppen-Schauen in den lauen Sommernächten
Dass in der breiten Öffentlichkeit die Perseiden-Sternschnuppen weit bekannter sind als alle anderen Meteorströme, die wir das Jahr über beobachten können, ist wohl dem Umstand geschuldet, dass sie in die warme Jahreszeit fallen, wo viele Menschen abends noch lange draussen sitzen und daher die eine oder andere Sternschnuppe erhaschen. Mit einer Fallrate von etwa 100 Meteoren pro Stunde zählt der Perseiden-Strom zwar zu einem der stärksten, doch wird er noch von den Quadrantiden Anfang Januar (100 – 120 Meteore stündlich) und den Geminiden um den 14. Dezember (120 – 150 Meteore) übertroffen.
Dieses Jahr hervorragende Bedingungen
Nicht jedes Jahr sind die Bedingungen für die Perseiden-Beobachtung gleicht gut. Dies hängt nicht nur vom Wetter, sondern vielmehr von der Mondphase ab. Eine Perseiden-Nacht bei Vollmond etwa lässt nur die allerhellsten Sternschnuppen erkennen. Doch dieses Jahr haben wir Glück, denn das auf den 13. August (04:00 Uhr MESZ) vorhergesagte Maximum fällt in die dunkle Neumondnacht. Am Abend davor, am 12. August, erlebt Europa eine der grössten Sonnenfinsternisse seit 1999.
| Die Legende des heiligen Laurentius Laut Überlieferung wurde Laurentius auf einem Landgut in Osca, dem heutigen Huesca, im Nordosten Spaniens geboren und soll später nach Rom gekommen sein. Dort war er Diakon unter Papst Sixtus II. Um den Tod von Laurentius gibt es verschiedene Überlieferungen und Legenden. So soll Papst Sixtus II. kurz vor seiner Enthauptung durch Kaiser Valerian das Kirchenvermögen an Laurentius übergeben haben. Dieser verteilte es an die Leidenden und Armen. Auf die Frage des Kaisers nach dem Kirchenvermögen soll er geantwortet haben, die Armen seien das Vermögen der Kirche. Daraufhin ließ Valerian Laurentius hinrichten. Der Überlieferung nach soll er enthauptet worden sein, die Legenden sprechen jedoch von einem Märtyrertod auf einem glühenden Rost über stetig unterhaltenem Feuer. Diese Legende findet sich auch in vielen Bildern und Skulpturen des heiligen Laurentius wieder, in denen er mit einem Grillrost dargestellt wird. Dies soll um den 10. August 258 geschehen sein; daher der Name «Laurentius-Tränen». Noch heute wird die Reliquie des Hauptes des heiligen Laurentius auf einem Seitenaltar der kleinen Kirche Sant’Anna dei Palafrenieri gezeigt. |
Viel mehr solche Ereignisse erwähnen wir in der Rubrik «Heute am Himmel», wo wir einen ausführlichen astronomischen Tageskalender führen. Überdies fasst das «Sternenhimmelheft 2026» von Astro Pool das Astronomiejahr 2026 illustrativ zusammen. Bestellen Sie bis zum 31. Juli 2026 bereits das «Sternenhimmelheft 2027» . Das Sonnenfinsternis-Spezialheft zu den grossen europäischen Sonnenfinsternissen bis 2030, erschienen im Verlag «Astro Pool» ist bereits ausverkauft. Auf die nächstjährige Sonnenfinsternis am 2. August 2027 planen wir eine 2. und aktualisierte Auflage. Sollten Sie in Ihrer Verwandtschaft Leute kennen, die im kommenden Jahr nach Tunesien oder Ägypten reisen wollen, wäre dieses Spezialheft sicher ein wertvoller und informativer Begleiter.
Der Sternenhimmel im Juli 2026
Sternkarte gültig am
1. Juli 2026 24:00 Uhr MESZ
15. Juli 2026, 23:00 Uhr MESZ
31. Juli 2026, 22:00 Uhr MESZ
Anblick des abendlichen Sternenhimmels im Juli 2026. (Grafik: Thomas Baer)
Astronomische Ereignisse im Juli 2026
Die schönsten Monatsereignisse im Überblick
| Sonne | Die Sonne hat ihren Höchststand durchschritten und sinkt im Laufe des Monats leicht ab und wechselt ins Sternbild Krebs. Abends spüren wir bis Mitte Juli kaum, dass es langsam wieder früher dunkel wird. Auch die Sonnenaufgänge verspäten sich über den gesamten Monat betrachtet nur um eine halbe Stunde, was sich subjektiv auf das Empfinden der Tageslänge kaum auswirkt. Mittags sinkt die Sonne bloss um 5° von 65.6° auf 60.6° ab. |
| Mond | Am 30. Juni war Vollmond. Somit geht der langsam abnehmende Mond täglich später auf und verlagert seine Sichtbarkeit in die zweite Nachthälfte hinein und später in die Morgenstunden. Am 7. wird das Letzte Viertel erreicht. Am Morgen gegen 05:00 Uhr MESZ können wir den abnehmenden Halbmond etwas mehr als 9° nordwestlich von Saturn sehen. Bis zur Neumondphase am 14. steigt der Mond hoch in den Zwillingen und taucht am 15. als schmale Sichel, nur 34 Stunden nach Leermond am Abendhimmel auf. Am 17. können wir die Sichel nur knapp 4° südlich von Venus sehen, nicht ganz so eng wie im vergangenen Juni (siehe Bild). Das Erste Viertel (zunehmender Halbmond) verzeichnen wir am 21. im Sternbild Jungfrau, Vollmond am 29. im Steinbock. |
| Merkur | Zum Monatsende hin bietet Merkur eine hübsche Morgensichtbarkeit, die sich bis in den August hinein erstreckt. Am 31. können wir den flinken Planeten nach 05:00 Uhr MESZ südlich des Sterns Wasat in den Zwillingen sehen. |
| Venus | Venus wandert durch die Zwillinge. Wer an den vergangenen Abenden in der Dämmerung nach Nordwesten schaute, konnte die helle Venus und Jupiter sehen. Aufmerksamen Beobachtern ist dabei aufgefallen, dass der «Abendstern» Venus immer enger zum etwas lichtschwächeren Jupiter aufschloss. Am engsten kommen sich die beiden Gestirne eben am 9. Juni. Sie trennen dann noch 1.6° voneinander und bilden ein auffälliges Paar. Venus passiert vom 18. bis 20. Juni den offenen Sternhaufen M44 (Krippe) im Krebs.![]() Die Venus-Jupiterkonjunktion am Abend des 9. Juni 2026 gegen 22:00 Uhr MESZ. Auch Merkur können wir in der Abenddämmerung sehen. (Grafik: Thomas Baer) |
| Mars | Inzwischen kann neben Saturn am Morgenhimmel vor Sonnenaufgang auch Mars gesehen werden. Er durchschreitet das «Goldene Tor der Ekliptik» zwischen den Sternhaufen Plejaden und Hyaden im Stier. Der Rote Planet ist etwa ähnlich hell wie Aldebaran.![]() Mars setzt sich langsam immer besser am Morgenhimmel durch. (Grafik: Thomas Baer) |
| Jupiter | Jupiter verabschiedet sich vom Abendhimmel und verblasst langsam im Glanz der Sonne. Seine Konjunktion fällt auf Ende August. |
| Saturn | Der Ringplanet setzt sich am Morgenhimmel immer besser in Szene. Er im Laufe des Monats stets früher auf, am 31. dann bereits knapp vor Mitternacht. Er dominiert die zweite Nachthälfte bis in die Morgendämmerung hinein. |
| Uranus | Uranus bleibt nach seiner Konjunktion mit der Sonne noch unbeobachtbar. |
| Neptun | Neptun hat sich nun doch ein Stück westlich von der Sonne entfernt und kann nun wieder bis in die Dämmerung teleskopisch beobachtet werden. Er hält sich noch immer knapp nordöstlich des Frühlingspunktes auf. |
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