Thema des Monats: Sonnen- und Mondfinsternisse meist im Duett
Der August in diesem Jahr hat so manches astronomisches Ereignis zu bieten: Der absolute Höhepunkt ist ohne Zweifel die totale Sonnenfinsternis über Island und Spanien, die auch im ganzen restlichen West- und Mitteleuropa in grosser Phase tief partiell zu sehen ist. Doch auch die fast totale Mondfinsternis am frühen Morgen des 28. August verdient unsere Aufmerksamkeit. Sonnen- und Mondfinsternisse treten meist paarweise auf; aber nur in seltenen Fällen sind gleich beide Finsternisse von einem Ort aus zu sehen.
Beitrag: Thomas Baer, Redaktion ORION
Sonnen- und Mondfinsternisse treten zumeist paarweise auf im Abstand eines knappen halben Jahres. Nachdem wir im Februar und März eine erste Finsternisgruppe hatten (beide in Europa nicht zu sehen), kommt es am 12. August nun zu einer totalen Sonnenfinsternis und rund zwei Wochen später, am frühen Morgen des 28. August, zu einer tief partiellen Mondfinsternis. Beide Finsternisse sind hierzulande beobachtbar, sofern das Wetter mitspielt.
Bekanntlich ist die Mondbahn gegenüber der Erdbahnebene um gut 5° geneigt. Dies führt dazu, dass der Neumond im Normalfall während 5 Monaten unter, dann wieder über der Sonne durchwandert, ohne dass dabei sein Schatten die Erde trifft. Genauso ist es beim Vollmond; auch dieser wandert 5 Monate lang über, dann wieder unter dem Erdschatten durch, ohne sich zu verfinstern. Nur zweimal, in seltenen Fällen dreimal pro Jahr (dazu später mehr) kommt es vor, dass die Schnittpunkte zwischen Mondbahn- und Erdbahnebene – sie werden Mondknoten oder Drachenpunkte genannt – auf die Sonne gerichtet sind. In dieser Konstellation befinden sich Sonne. Mond und Erde (Sonnenfinsternis) oder Sonne, Erde und Mond (Mondfinsternis) auf derselben Ebene; sprich, sie stehen mehr oder weniger auf einer Linie. In dieser Konstellation sind Finsternisse möglich. Weil die Erde eine gewisse Grösse hat, muss diese Stellung allerdings nicht ganz perfekt sein, was wir übrigens bei der Sonnenfinsternis am 12. August erleben werden. Der Kernschatten des Mondes streift nämlich nur noch ganz knapp über die nördliche Hemisphäre, sprich von Sibirien über Grönland, Island bis nach Spanien, und dies in sehr flachem Winkel! Der nördliche Teil des Mondschattens vermag die Erde weitestgehend gar nicht mehr zu treffen, sondern schiesst ins All hinaus.

Nur wenn die Mondknoten auf die Sonne gerichtet sind, kann es zu Finsternissen kommen. (Grafik: Thomas Baer)
Dass Finsternisse stets paarweise auftreten, ist dem Umstand geschuldet, dass sich zweimal im Jahr ein Finsternisfenster öffnet; «Finsternissaison» genannt. Mit einer durchschnittlichen Dauer von 34 Tagen ist sie etwas länger ist als ein synodischer Mondmonat mit 29.5 Tagen. Somit fallen immer mindestens ein Neumond und ein Vollmond in dieses 34-tägige Zeitfenster, womit es eine Sonnen- und eine Mondfinsternis geben muss! Nicht immer sind, wie jetzt im August, beide Finsternisse von einem Ort aus zu sehen. Diesmal haben wir das Losglück auf unserer Seite!
Ganz oben ist eine allgemeine Situation, die zeige soll, dass immer mindestens ein Voll- und ein Neumond in eine «Finsternissaison» fällt. (Grafik: Thomas Baer)
Verschiedene Finsternisabfolgen sind möglich
Wenn wir die 34-tägige «Finsternissaison» einmal genauer anschauen, müssen wir verstehen, dass die Situation exakte in der Hälfte, also nach 17 Tagen, am optimalsten wäre. Dann nämlich würde ein Neu- oder Vollmond genau im Knoten stehen und die drei Himmelskörper tatsächlich eine perfekte Linie bilden. In der Abbildung unten sehen wir die Situation für Sonnen- und Mondfinsternisse. Während der ersten und letzten 6 Tage der «Finsternissaison» können bei Sonnenfinsternissen nur partielle Finsternisse entweder im Nord- oder Südpolargebiet stattfinden. Mit Beginn des Tags 7 fällt der Kernschatten auf die Erde; es gibt eine totale oder ringförmige Finsternis in einer der Polargegend. Die «perfekte Sonnenfinsternis» findet genau im Mondknoten statt. In diesem Fall würde der Mondschatten die Erde zentral treffen.
Bei den Mondfinsternissen gibt es aufgrund der Ausdehnung des Erdschattens und der scheinbaren Grösse des Mondes zwischen Tag 0 und Tag 6 respektive Tag 28 bis Tag 34 der «Finsternissaison» nur Halbschatten-Mondfinsternisse. Partielle Mondfinsternisse kann es von Tag 7 bis Tag 12 und von Tag 23 bis Tag 28 geben. Totale Mondfinsternisse ereignen sich ab Tag 13 bis Tag 22. Die «perfekte Mondfinsternis» – es wäre eine zentrale, exakt durch die Erdschattenmitte – und würde genau im Mondknoten stattfinden.

Entstehung einer Sternschnuppe. (Grafik: Thomas Baer)
Im Jahr 2026 setzt die 2. «Finsternissaison» am 6. August ein. Die totale Sonnenfinsternis am 12. August findet somit noch knapp innerhalb des Spielraums für zentrale Sonnenfinsternisse statt. Dies erklärt, warum der zentrale Schattenpfad nur ein relativ kurzes Stück über die Nordhemisphäre verläuft. Die fast totale Mondfinsternis am 28. August fällt indessen knapp ausserhalb des Limits für totale Mondfinsternisse.
2027 sieht die Situation im Hochsommer etwas anders aus. Jetzt startet die «Finsternissaison» am 17./18. Juli. Zugleich haben wir am 18. Juli einen Vollmond. Dieser schrammt gerade noch den Halbschatten der Erde. Dafür erleben wir am 2. August eine fast zentrale totale Sonnenfinsternis. Der Vollmond am 17. August fällt ebenfalls noch in die «Finsternissaison», die nur vier Tage später endet; es kommt nochmals zu einer etwas tieferen Halbschatten-Mondfinsternis. Wir sehen also: Es kann durchaus auch 3 Finsternisse innerhalb einer «Finsternissaison» geben. Folgende Kombinationen sind möglich:
· Zentrale Sonnenfinsternis (total / ringförmig / hybrid) – Mondfinsternis (total oder partiell)
· Mondfinsternis (total oder partiell) – zentrale Sonnenfinsternis (total / ringförmig / hybrid)
· Sonnenfinsternis (partiell) – Mondfinsternis (total zentral) – Sonnenfinsternis (partiell)
· Mondfinsternis (Halbsch.) – Sonnenfinsternis (tot. / ringf. / hyb.) – Mondfinsternis (Halbsch.)
Bis zu 7 Finsternisse pro Jahr möglich
Normalerweise gibt es vier Finsternisse pro Jahr, zwei Sonnen- und zwei Mondfinsternisse. Je nachdem, wie die Voll- und Neumonde fallen, kann es, wie im Juli / August 2027 vorkommen, dass es für drei Finsternisse innerhalb der «Finsternissaison» reicht. Weil das Finsternisjahr mit 346.62 Tagen kürzer ist als das Sonnenjahr 365.24 Tage, rücken die Finsternisfenster Jahr für Jahr um rund 18 Tage nach vorne. Dies hat damit zu tun, dass die Mondknoten langsam rückläufig in 18.6 Jahren die gesamte Eklipitk durchlaufen, dem Mond also gewissermassen etwas entgegenkommen. So geschieht es, wie etwa 2028 und 2029, dass sich die erste «Finsternissaison» auf den Jahresbeginn verschiebt und eine dritte «Finsternissaison» auf das Jahresende wandert. In diesem Fall sind sogar 5 oder 6 Finsternisse möglich. In sehr seltenen Fällen – letztmals 1982 (!) und ein nächstes Mal 2038 – kann es maximal sogar 7 Finsternisse geben.
1982 war die Abfolge wie folgt: 1. «Finsternissaison» Mondfinsternis (total) – Sonnenfinsternis (partiell) / 2. «Finsternissaison» Sonnenfinsternis (partiell) – Mondfinsternis (total zentral) – Sonnenfinsternis (partiell) / 3. «Finsternissaison» Sonnenfinsternis (partiell) – Mondfinsternis (total)
2038 sieht wie folgt aus: 1. «Finsternissaison» Sonnenfinsternis (ringförmig) – Mondfinsternis (Halbschatten) / 2. «Finsternissaison» Mondfinsternis (Halbschatten) – Sonnenfinsternis (ringförmig) – Mondfinsternis (Halbschatten) / 3. «Finsternissaison» Sonnenfinsternis (total) – Mondfinsternis (Halbschatten)

Sonnen- und Mondfinsternisse durch die Jahre. (Quelle: Astro Pool Spezial «Die grossen europäischen Sonnenfinsternisse bis 2030»)
Die «Mär» von mehr Sonnenfinsternissen
Die Anzahl Sonnen- und Mondfinsternisse halten sich etwa die Waage, und Aussagen, es gäbe mehr Sonnen- als Mondfinsternisse stimmen nicht! In gewissen einschlägigen astronomischen Werken werden einfach die unscheinbaren Halbschatten-Mondfinsternisse nicht mitgezählt!
Wenn man statistisch die Häufigkeit von Sonnen- und Mondfinsternissen auf einen Ort untersucht, sind sogar mehr Mondfinsternisse zu sehen. Dies ist einfach zu erklären. Während eine Mondfinsternis von der gesamten Nachthalbkugel der Erde aus gleichzeitig zu sehen ist, kann eine Sonnenfinsternis nur von einem relativ «kleinen Gebiet» aus verfolgt werden. Der Mondschatten hüllt nie die gesamte Taghalbkugel ein. Somit gibt es auf der Tagseite immer Gebiete, die ausserhalb eines Sonnenfinsternisgebiets liegen.
Wenn wir statistisch das gesamte 21. Jahrhundert betrachten, sieht die Situation wie folgt aus:
| Insgesamt 224 Sonnenfinsternisse: Davon 77 partiell, 72 ringförmig, 68 total, 7 hybrid Insgesamt 228 Mondfinsternisse: Davon 86 Halbschattenfinsternisse, 57 partiell, 85 total |
Viel mehr solche Ereignisse erwähnen wir in der Rubrik «Heute am Himmel», wo wir einen ausführlichen astronomischen Tageskalender führen. Überdies fasst das «Sternenhimmelheft 2026» von Astro Pool das Astronomiejahr 2026 illustrativ zusammen. Bestellen Sie bis zum 31. Juli 2026 bereits das «Sternenhimmelheft 2027» . Das Sonnenfinsternis-Spezialheft zu den grossen europäischen Sonnenfinsternissen bis 2030, erschienen im Verlag «Astro Pool» ist bereits ausverkauft. Auf die nächstjährige Sonnenfinsternis am 2. August 2027 planen wir eine 2. und aktualisierte Auflage. Sollten Sie in Ihrer Verwandtschaft Leute kennen, die im kommenden Jahr nach Tunesien oder Ägypten reisen wollen, wäre dieses Spezialheft sicher ein wertvoller und informativer Begleiter.
Der Sternenhimmel im August 2026
Sternkarte gültig am
1. August 2026 24:00 Uhr MESZ
15. August 2026, 23:00 Uhr MESZ
31. August 2026, 22:00 Uhr MESZ
Anblick des abendlichen Sternenhimmels im August 2026. (Grafik: Thomas Baer)
Astronomische Ereignisse im August 2026
Die schönsten Monatsereignisse im Überblick
| Sonne | Die Sonne startet im Krebs und tritt am 11. August gegen 02:00 Uhr MESZ ins Sternbild Löwe über. Dabei verliert sie mittags weiter an Höhe. Kulminiert sie am 1. August noch 61° hoch im Süden, geht sie am Monatsletzten gut 51° hoch durch den Meridian. Während sich die Sonnenaufgänge über den Monat von 06:03 Uhr MESZ auf 06:43 Uhr MESZ verspäten, merken wir auch abends, wie es nun rasch früher dunkel wird. Die Sonnenuntergänge verfrühen sich um fast eine Stunde von 21:00 Uhr MESZ auf 20:09 Uhr MESZ. Höhepunkt in diesem Monat ist die grosse partielle Sonnenfinsternis am Abend des 12. August, die in einem Streifen von Island, über Spanien und die Balearen total verläuft. Aber auch in der Schweiz kann eine Bedeckung zwischen 90 % (Bodensee) und 93 % (südwestliches Wallis und Genferseeregion) beobachtet werden. Lesen Sie dazu unsere Beiträge auf dem ORION-Portal. Finsternis in Zürich 19:24:34 MESZ Erster Kontakt; Beginn der partiellen Phase 20:17:59 MESZ Grösste Finsternis (90.6 %) 20:40:00 MESZ Sonnenuntergang ![]() Kurz bevor die Sonne untergeht, wird die maximale Finsternis zu sehe sein. (Grafik: Thomas Baer) |
| Mond | Am 29. Juli war Vollmond. Somit geht der langsam abnehmende Mond täglich später auf und verlagert seine Sichtbarkeit in die zweite Nachthälfte hinein und später in die Morgenstunden. In der Nacht vom 3. auf den 4. August begegnet er Saturn. Am 6. wird das Letzte Viertel erreicht. Drei Tage später zieht der Mond an Mars und Al Nath im Stier vorüber. Bis zur Neumondphase am 12. sinkt der Mond in den Löwen ab und ist am 11. um 05:30 Uhr MESZ als dünne Sichel nur 37.1 Stunden vor Neumond 5.1° nordwestlich von Merkur zu sehen. In der zweiten Monatshälfte können wir den Mond wieder am Abendhimmel sehen, erstmals am 14. als schmale zunehmende Sichel 49.4 Stunden nach Neumond. Am folgenden Abend steht der Mond 5.8° westlich von Venus. Das Erste Viertel (zunehmender Halbmond) verzeichnen wir am 20. im Sternbild Waage, Vollmond am 28. im Wassermann. In den frühen Morgenstunden des 28. ereignet sich eine tiefe partielle Mondfinsternis, die kurz vor Monduntergang ihren Höhepunkt erreicht. ![]() Eine fast totale Mondfinsternis können wir am Morgen des 28. August 2026 erleben. (Grafik: Thomas Baer) Finsternis in Zürich 03:22:18 MESZ Eintritt des Mondes in den Halbschatten (nicht beobachtbar) 04:33:30 MESZ Eintritt des Mondes in den Kernschatten (Beginn der partiellen Phase) 06:12:54 MESZ Mitte der Finsternis (Grösse im Kernschatten: 0.935) 06:46:12 MESZ Monduntergang |
| Merkur | Im August kommt es zu einer sehenswerten Morgensichtbarkeit von Merkur. Während gut drei Wochen können wir den flinken Planeten in der Morgendämmerung verfolgen, wie er aus den Zwillingen in Richtung Krebs wandert. Am 15. trifft Merkur auf Jupiter; eine durchaus fotogene Konstellation.![]() Merkur und Jupiter treffen Mitte Monat aufeinander. Am 11. August können wir die schmale abnehmende Mondsichel direkt über Merkur sehen. (Grafik: Thomas Baer) |
| Venus | Als «Abendstern» erreicht Venus am 15. August mit fast 46° ihre grösste östliche Elongation von der Sonne. Nichtsdestotrotz verschlechtert sich ihre Abendsichtbarkeit zusehends, was der flachen Lage der Ekliptik am spätsommerlichen und frühherbstlichen Abendhimmel geschuldet ist. Ausserdem steht sie gut 2.5° südlich von dieser, womit sie bis zum Monatsletzten weiter absinkt. Etwas Gegensteuer gibt sie mit ihrer Helligkeit, die von –4.22mag auf –4.45mag zunimmt. |
| Mars | Der Rote Planet wechselt vom Stier in die Zwillinge und steigert seine Helligkeit von +1.36mag auf +1.19mag. Damit ist Mars jetzt vergleichbar hell wie Pollux. Am 4. August passiert er den Stern Zeta Tauri und wandert am 15. gegen 04:00 Uhr MESZ in nur 0.5° Abstand an M44 (Krippe) vorüber. |
| Jupiter | Jupiter taucht nach seiner Konjunktion mit der Sonne am 29. Juli langsam wieder am Morgenhimmel auf. |
| Saturn | Der Ringplanet erscheint im Laufe des letzten Sommermonats immer früher am Nachthimmel auf. Er beschleunigt seine rückläufige Bewegung im Sternbild der Fische und strebt seiner Opposition Anfang Oktober entgegen. Wir realisieren dies auch an der Helligkeitszunahme von +0.63mag auf +0.46mag. |
| Uranus | Uranus ist jetzt am Morgenhimmel zu sehen und kann bis zum Beginn der Morgendämmerung teleskopisch beobachtet werden. |
| Neptun | Neptun erscheint wie Saturn nun immer früher am Abendhimmel und kann für den Rest der Nacht teleskopisch etwas östlich des Frühlingspunktes beobachtet werden. |
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