Im ersten Moment liest sich die Schlagzeile wie ein verspäteter Aprilscherz! Aber auf der Ferieninsel meint man es ernst. Wer am 12. August 2026 auf «Malle» die Sonnenfinsternis von der Westküste aus beobachten wollte, dürfte ziemlich Pech haben, denn laut Behörde wird am Tag der Sonnenfinsternis das gesamte Tramuntana-Gebirge abgesperrt! Und für Schiffe gilt eine 3 Seemeilen-Regel.
Beitrag & Kommentar: Thomas Baer
Was sich als schlechter Scherz anhört, wird auf Mallorca am Tag der totalen Sonnenfinsternis Realität sein. Die Balearen-Regierung wird am 12. August anlässlich der totalen Sonnenfinsternis Strassen des Tramuntana-Gebirges und Strassen zu anderen Punkten auf Mallorca absperren, von denen aus die Sonnenfinsternis gut zu beobachten wäre! Dies erklärten Vertreter der Balearen-Regierung und der Generalsekretär der Delegation der Spanischen Zentralregierung auf den Inseln am vergangenen Donnerstag (16. Juli 2026). Zudem haben die Zuständigen 26 offizielle Beobachtungszonen eingerichtet, in denen die Bürger die Sonnenfinsternis unter geeigneten Bedingungen hinsichtlich Sichtbarkeit, Zugänglichkeit und Kapazität verfolgen können.
«Im Mittelpunkt des Sicherheitskonzepts steht der Gebirgszug Serra de Tramuntana im Westen der Insel. Dort befürchtet die Regionalregierung einen massiven Besucherandrang und damit ein erhöhtes Waldbrandrisiko. Bereits tags zuvor sollen die wichtigsten Zufahrten und besonders sensible Bereiche dauerhaft überwacht werden. Am Tag der Sonnenfinsternis wird der Verkehr ab 10 Uhr kontinuierlich beobachtet. Spätestens ab 15 Uhr – bei aussergewöhnlich starkem Andrang auch früher – werden die Zufahrten zur Gebirgskette weitgehend gesperrt. Betroffen sind sämtliche Hauptzugänge von Andratx bis Caimari sowie zahlreiche Nebenstrassen unter anderem nach Cala Deià, Sa Foradada, Port de Sóller oder Sa Calobra», ist im Mallorca Magazin zu lesen.
Das vergrault viele: Zusammengepfercht mit Hunderten anderer Schaulustigen?
Das kann ja heiter werden, auch wenn die Regierung offizielle Beobachtungspunkte einrichtet. Gewiss wird man da nicht alleine sein, wenn für eine ganze Insel wenige Sektoren zugewiesen werden und sich die Atmosphäre eher wie an einem Open Air-Konzert als im Rahmen eines Naturereignisses «anfühlt». Dies ist sicher nicht das, was Astronomen und Naturliebhaber suchen und lieben; eine totale Sonnenfinsternis «à la Ballermann» mit einer «johlenden Menschenmasse» wird diesem seltenen Naturereignis niemals gerecht. Vielmehr sollten es die «stillen Momente» sein, die man erleben müsste!
Und auf Mallorca gibt es ein weiteres «mögliches Problem» als die nur noch 2° (vier Sonnendurchmesser!) über dem Horizont stehende Sonne, nämlich Quellwolken, die sich abends über den Bergen bilden könnten. Diese werden noch weitere Grade über das Gebirge aufragen! Dann wird man auch von östlich gelegenen Standorten aus womöglich Pech haben, die totale Verfinsterung zu sehen. An der Westküste hätte man die Berge dagegen im Rücken und eine freie Sicht auf das Meer hinaus wäre garantiert.
Grund für die Massnahme
Nach Angaben der Regierung dienen die Massnahmen ausschliesslich dem «Schutz der Bevölkerung und der Natur». Natürlich ist die «Sorge» auf der einen Seite etwas nachzuvollziehen, denn – und das muss hier gesagt sein – gibt es immer Zeitgenossen, die sich nicht an gewisse Regeln und Gepflogenheiten halten können oder wollen und trotz Warnschildern in der Wildnis ein Feuer entfachen, um dem Abend die nötige Romantik zu verleihen.
Genau das soll vermieden werden: Ziel sei es, so die Regierung, Waldbrände zu verhindern und Rettungsdiensten jederzeit ein schnelles Eingreifen zu ermöglichen. Und doch wirkt die Sperrung der gesamten Westküste etwas gar überzogen! Da wirbt gleichzeitig Port de Sóller mit verlockenden Sätzen wie: «Stell dir vor, wie du entspannt an der Uferpromenade stehst oder von einer der umliegenden Klippen den Blick über das glitzernde Meer schweifen lässt, während das Licht um dich herum allmählich abnimmt», Touristen an. Wenn man nicht oder nicht mehr ins Städtchen gelangt, ist der obige Satz «ein Schuss in den Ofen».
Das Mallorca Magazin berichtet weiter: «Auch ausserhalb der Tramuntana werden zahlreiche Zufahrten zeitweise gesperrt. Dazu gehören unter anderem die Strasse zum Cap de Formentor und zum Aussichtspunkt Es Colomer, die Zugänge zu den Urbanisationen Maioris und Puig de Ros, die Strasse zum Cap Blanc, die Auffahrten zum Santuari de Cura und zum Puig de Sant Salvador, die Zufahrten zu den Wallfahrtskirchen Betlem und Bonany sowie die Strasse zum Leuchtturm Far de Ses Salines.»

Die Sonnenfinsternis über Mallorca. Die gesamten Insel liegt im Finsternispfad; die Zentrallinie verläuft knapp südlich von Palma. Das Problem auf «Malle»: An sich wäre die West- und Nordwestküste für die Sonnenfinsternisbeobachtung ideal! Das Tramuntana-Gebirge hätte man im Rücken und freie Sicht auf das Meer hinaus. Zwar gibt es im Osten der Insel auch manchen Standort, von wo aus man die Finsternis sehen wird, allerdings steht hier die Sonne bereits noch tiefer! (Quelle: Astro Pool-Sonderheft «Die grossen europäischen Sonnenfinsternisse bis 2030»)
Wer trotzdem nach Mallorca reist, tut sicher gut daran, sich vor Ort direkt und frühzeitig zu informieren und sich nach einem alternativen Standort umzusehen. Um auf Nummer sicher zu gehen, empfehle ich, die Situation schon am Vorabend zu testen, nicht dass man am Finsternistag eine Überraschung erlebt und die Sonne dann doch noch vor Beginn der Totalität hinter den Bergen verschwindet!
| Wälder brennen nicht von alleine An dieser Stelle sei erwähnt, dass trotz der akuten Hitze und Trockenheit in ganz Europa Wälder nicht einfach so zu brennen beginnen; die Hauptursachen sind der Mensch (80 bis 85 %) und viel seltener Blitzschlag. Die allermeisten aktuellen Brände wurden durch Fahrlässigkeit (wie weggeworfene Zigaretten, Unachtsamkeit, Funkenflug von Maschinen oder Ignorieren von Feuerverboten) aber leider auch vorsätzliches Legen von Feuer verursacht. Hitze und Trockenheit alleine lösen keine Brände aus, beschleunigen allerdings zusammen mit Wind deren Ausbreitung. |
3 Seemeilen-Regel
Doch mit der Sperrung der Westküste nicht genug; auch auf dem Wasser, wo sich wohl Hunderte von Schiffen nun «notgedrungen» vor der Westküste aufhalten werden, gelten Regeln. Wie www.mallorca-services.es schreibt, wird es auch zahlreiche Bootsausflüge zur Beobachtung der Sonnenfinsternis auf dem Meer geben. «Eine Herausforderung besteht darin, dass die Konzentration von Booten vor der Küste die Sicht für Beobachter an Land beeinträchtigen könnte. Daher wurde beschlossen, dass Boote, die zur Beobachtung aufs Meer fahren, mindestens drei Seemeilen (5.5 Kilometer) von der Küste entfernt sein müssen. Grössere Boote, deren genaue Länge noch festgelegt wird, sollen sich sogar fünf Seemeilen (9,2 Kilometer) entfernen. Diese Regelung betrifft auch Kreuzfahrtschiffe. Einige Unternehmen bieten bereits entsprechende Beobachtungstouren von ihren Schiffen aus an», ist auf der Website zu lesen.
Angst vor der Verantwortung
Leider ist die Sperrung einer ganzen Küste inklusive Gebirge eine weitere traurige Erscheinung unserer Zeit und erinnert stark an 2015, als man Schulkinder während der partiellen Sonnenfinsternis in den verdunkelten Klassenzimmern «einsperrte» und die Pausen strich, aus purer Angst, die Schüler würden direkt in die Sonne schauen! Hätten sich die Lehrpersonen damals vorgängig und vor allem fundiert bei Fachleuten (Sternwarten) informiert, wäre die Sonnenfinsternis für alle ein tolles Erlebnis geworden!
Niemand ist heute noch gewillt Verantwortung zu übernehmen. Vielmehr will man auf Nummer sicher gehen und ist daher lieber «hypervorsichtig» mit zum Teil völlig übertriebenen Verboten, Massnahmen und Regeln. Mit der Total-Sperrung ist die Behörde faktisch aus dem Schneider und auf der «sicheren Seite», sollte doch etwas passieren. Dann kann sie sich sich hinter «ihrer verordneten Massnahmen» verstecken. Gegen erhöhte Patrouillen und Kontrollgänge ist überhaupt nichts einzuwenden, auch nicht gegen Verkehrslotsen, die Autofahrer auf Parkplätze entlang von Strassen einweisen, so wie dies der regionale Sheriff in Texas 2024 vorbildlich machte, der Finsternisbeobachter reihenweisen und persönlich an ihre Beobachtungsplätze begleitete.
Viele Reisende, die extra nach Mallorca gebucht haben, dürften so aber vergrault werden und sind nun wohl oder übel gezwungen, sich nach Alternativen umzusehen. Der Run auf Boote dürfte jetzt noch grösser sein, um auf die Westseite der Insel zu gelangen. Auch hier ist es ratsam, sich rechtzeitig mit dieser Möglichkeit zu befassen, denn die Preise dürften, wer nicht zufällig Bekannte oder Verwandte kennt, die ein Boot besitzen, in astronomische Höhen schnellen.
Hier gibt es eine Übersicht über sämtliche Sperrungen: https://die-inselzeitung.com/news/sonnenfinsternis-mallorca-alle-sperrungen-am-12-august
Auf dem Festland ist man flexibler
Auch wenn am Finsternisabend auf dem Festland mit einem erhöhten Verkehrsaufkommen aus dem Süden (Raum Madrid) gerechnet werden muss, dürften sich die Finsternisschaulustigen weit besser verteilen. Es ist kaum zu erwarten, dass zwischen León und Sargagossa sowie Valadolid und Burgos in der weiten Fläche der Verkehr völlig kollabiert! Wer sich ausserdem schon in der Zone aufhält, hat ohnehin einen gewissen «Vorsprung», was einen geeigneten Beobachtungsplatz anbelangt. Auch wir werden uns schon Tage im Voraus nach einem Ort abseits grosser Menschenmassen umsehen und uns am Finsternistag rechtzeitig in Stellung bringen.
Update folgt…