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Der Sternenhimmel im September 2026

Ereignis des Monats: Lohnt sich die Beobachtung der Venusbedeckung bei Tag?

Seit August folgen sich die astronomischen Ereignisse im Zweiwochen-Takt. Nach der Sonnenfinsternis und der partiellen Mondfinsternis folgt nun noch eine Bedeckung der Venus durch die zunehmende Mondsichel am 14. September 2026. Allerdings findet dieses Ereignis um die Mittagszeit herum, also bei Tageshelle statt! Lohnt es sich dennoch, danach Ausschau zu halten? Und was kann man wirklich sehen?

Beitrag: Thomas Baer, Redaktion ORION

Aktuell scheinen sich die astronomischen Höhepunkte fast zu jagen, denn schon bald können wir einer Planetenbedeckung durch den Mond beiwohnen; allerdings am Taghimmel. Grundsätzlich stellt sich natürlich die Frage vor allen für Laien, ob es sich überhaupt lohnt, dieses Ereignis zu beobachten und was man tatsächlich sehen kann.

Vorweg: Planetenbedeckungen durch den Mond sind astronomische gesehen doch eher seltene Ereignisse, die alle paar Jahre einmal vorkommen. Gelegentlich gibt es auch Zeiten, wo ein Planet so «optimal» in der Mondbahn liegt, dass er unter Umständen gleich mehrmals nacheinander für Gebiete der Erde hinter dem Mond verschwindet. Dies betrifft allerdings eher die oberen Planeten, da diese langsamer unterwegs sind und sich daher vor den Sternen weniger rasch bewegen. Da sich auch die Mondbahn nur sehr langsam rückläufig bewegt, kann es dann und wann schon passieren, dass ein Planet gleich bei jedem Mondumlauf vom Trabanten «überfahren» wird.

Natürlich sind solche Planetenbedeckung während der Morgen- oder Abenddämmerung, noch besser aber bei Nacht zu sehen. Trifft es einen hellen Planeten, so ist dies ohne Probleme sogar mit freiem Auge zu verfolgen. Natürlich ist ein Feldstecher oder gar ein Teleskop bei solchen Beobachtungen immer willkommen, denn damit kann man auch die scheinbare Grösse des Planeten erkennen. Da sich der Mond vor den Sternen langsam ostwärts bewegt, dauert eine Planetenbedeckung je nach Grösse des Planetenscheibchens von einigen Sekunden bis über eine Minute.

Venus kann man tags sehen

Venus ist mit ihren –4.76mag scheinbarer Helligkeit am 14. September 2026 hell genug, damit man sie auch am Taghimmel mühelos sehen kann. Sie steht etwas mehr als 41° östlich der Sonne, weit genug also, dass man sie noch ausserhalb der hellsten Himmelsbereiche entdecken kann. Allerdings zu Beginn der Bedeckung (für Zürich) um 11:28:09 Uhr MESZ erst knapp 4° über dem ostsüdöstlichen Horizont. Bei absolut exzellenten Verhältnissen wäre es an sich möglich, die eben erst aufgegangene blasse Mondsichel zu finden. Sollte dies der Fall sein, springt einem auch die sehr viel leuchtkräftigere Venus am «unteren» Rand ins Auge.
Wer das Ereignis durch ein Teleskop verfolgt, erkennt die sichelförmige Gestalt von Venus. Sie verschwindet mit dem hellen Teil voran am dunklen sonnenabgewandten Mondrand. Bis das gesamte Planetenscheibchen bedeckt ist, dauert es 1 Minute und 21 Sekunden, doch die Lichtsichel ist bereits nach 31 Sekunden verschwunden.


In ziemlich ähnlicher Phase wird der Mond die helle Venus am 14. September 2026 bedecken. (Grafik: Thomas Baer)

Nun dauert es eine gute Stunde, bis Venus um 12:37:15 Uhr MESZ wieder auf der anderen Seite des Mondes austritt, diesmal am hellen Mondrand. Der Austrittsort befindet sich bei Positionswinkel = 307° 49′, also etwa bei «13 Uhr», wenn man des auf die Lage der Mondsichel bezogen auf den Horizont betrachtet.
Jetzt stehen Venus (und auch der Mond) schon knapp 13° hoch, was die Beobachtung nun erheblich vereinfacht. Man wird erstaunt sein, wie hell Venus im Vergleich zur Mondoberfläche erscheint (siehe auch Bild oben). Tatsächlich hat Venus eine viel höhere Albedo (Rückstrahlvermögen) als die dunkle Mondoberfläche! Die Venus hat eine sehr hohe Albedo von etwa 0.76, während die Mondoberfläche eine sehr niedrige Albedo von nur ca. 0.07 bis 0.12 besitzt. Um dies einzuordnen: Venus reflektiert rund 76 % des einfallenden Sonnenlichts, der Mond dagegen bloss 7 bis 12 %. Unser Erdtrabant besteht aus dunklem Gestein (Vulkanbasalt und Staub), dessen Rückstrahlkraft vergleichbar mit dunkler Kohle oder Asphalt ist. Er erscheint uns am Nachthimmel nur deshalb so hell, weil die Umgebung im Weltall dunkel ist.

Die Sonne hinter einem Gebäude abschirmen

Damit die Beobachtung der Venusbedeckung auch wirklich gelingt, sollte man zum Einen sicherstellen, dass der noch tief stehende Mond zu Beginn des Ereignisses auch wirklich sichtbar ist und nicht etwa von einem Hügel oder vom Nachbarshaus verdeckt wird. Weil Tagbeobachtungen etwas anspruchsvoller sind, lohnt es sich allenfalls, die Sonne hinter einem Haus abzudecken. So steht man im Schatten und wird sicher nicht geblendet, wenn es darum geht, den blassen aufgehenden Mond am Horizont zu finden. Je höher dieser aber in den Himmel steigt, desto besser wird man ihn sehen; immer abhängig davon, wie klar der Himmel ist. Hätten wir am 14. September Saharastaub in der Atmosphäre, dürfte es anspruchsvoll, wenn nicht gar aussichtslos werden, nach der Mondsichel zu suchen.

Viel mehr solche Ereignisse erwähnen wir in der Rubrik «Heute am Himmel», wo wir einen ausführlichen astronomischen Tageskalender führen. Überdies fasst das «Sternenhimmelheft 2026» von Astro Pool das Astronomiejahr 2026 illustrativ zusammen. Bestellen Sie bis zum 31. März 2027 das Sonnenfinsternis-Spezialheft zu den grossen europäischen Sonnenfinsternissen bis 2030, erschienen im Verlag «Astro Pool». Auf die nächstjährige Sonnenfinsternis am 2. August 2027 planen wir eine 2. und aktualisierte Auflage. Sollten Sie in Ihrer Verwandtschaft Leute kennen, die im kommenden Jahr nach Tunesien oder Ägypten reisen wollen, wäre dieses Spezialheft sicher ein wertvoller und informativer Begleiter. Ausserdem erscheint auch ein Astro Pool «Spezial» zum 50-Jahr-Jubiläum der Voyager-Sonden. Auch dieses Heft kann man demnächst auf der Website von Astro Pool vorbestellen

Der Sternenhimmel im September 2026

Sternkarte gültig am

1. September 2026 24:00 Uhr MESZ
15. September 2026, 23:00 Uhr MESZ
30. September 2026, 22:00 Uhr MESZ

Anblick des abendlichen Sternenhimmels im September 2026. (Grafik: Thomas Baer)

Astronomische Ereignisse im September 2026

Die schönsten Monatsereignisse im Überblick

SonneDie Sonne sinkt im Löwen weiter ab und wechselt am 16. ins Sternbild Jungfrau. Am 23. September um 02:06 MESZ überquert sie den Himmelsäquator südwärts. Wir haben den astronomischen Herbstanfang und Tagundnachtgleiche. Das Tagesgestirn geht bis zum Monatsende bereits kurz nach 19:00 Uhr MESZ unter und morgens verspäten sich die Sonnenaufgänge auf 07:23 Uhr MESZ. Jetzt merken wir deutlich, dass wir im Herbst angekommen sind.
MondNach dem Vollmond mit der tiefen partiellen Mondfinsternis nimmt der Trabant bis zum 4. September auf die Hälfte ab; wir verzeichnen das Letzte Viertel. Danach wird man den Mond als abnehmende Sichel in den Morgenstunden sehen. Am 6. steht er 6.6° westlich von Mars, am folgenden Morgen 6.5° östlich von ihm. Am Morgen des 8. Septembers bedeckt der Mond gegen 06:00 Uhr MESZ den nördlichen Teil des offenen Sternhaufens M44. Neumond haben wir am 11. Danach taucht der Mond am Abendhimmel auf, wo er am 18. das Erste Viertel (zunehmender Halbmond) erreicht. Zur Vollmondzeit am 26. begegnet der Mond Saturn; er steht an diesem Abend um 22:00 Uhr MESZ 8° westnordwestlich von ihm.
MerkurMerkur bleibt nach seiner oberen Konjunktion Ende August ein schwieriges Objekt. Es reicht ab dem 25. kaum zu einer Abendsichtbarkeit.
VenusVenus zieht sich nun gänzlich vom Abendhimmel zurück. Obwohl der «Abendstern» am 24. seinen «grössten Glanz» mit –4.80mag erreicht, kann man ihn kaum mehr sehen, da er weit südlich der Ekliptik steht und nur eine halbe Stunde nach der Sonne untergeht.

Ein nicht alltägliches Ereignis steht uns um die Mittagszeit des 14. Septembers bevor. Die soeben aufgegangene zunehmende Mondsichel schiebt sich am Taghimmel für etwas mehr als eine Stunde vor die helle Venus. Teleskopisch lässt sich das Ereignis durchaus beobachten. Anfänglich steht der Mond erst 4° hoch, wenn er um 11:28.9 Uhr MESZ mit dem dunklen sonnenabgewandten Rand voran die Venus erreicht. Bei klaren Verhältnissen müsste man das Verschwinden des Planeten mit einem Feldstecher sehen können. Der gut einminütige Austritt ab 12:37.3 Uhr MESZ dürfte etwas einfacher zu verfolgen sein, weil der Mond jetzt 13° hochsteht; die Venus erscheint nun am hellen Rand.


In den Mittagsstunden des 14. Septembers bedeckt die aufgehende Mondsichel Venus. (Grafik: Thomas Baer)
MarsMars taucht in den frühen Morgenstunden auf. Er verlässt die Zwillinge in Richtung Krebs und wird allmählich heller.
JupiterNoch etwas später zum Morgen hin erscheint Jupiter, der sich zwischen Krebs und Löwe aufhält. Besondere Aufmerksamkeit verdienen diesmal seine vier hellen Trabanten.

Die Beobachtung der Jupitermonde erfordert ein Teleskop oder Fernglas, um die vier grössten Monde – Io, Europa, Ganymed und Callisto – zu erkennen. Je nach Vergrösserung des Teleskops werden sie als Scheibchen erkennbar, und ihre Bewegungen können in relativ kurzer Zeit beobachtet werden. Die Bahnen der vier Galileischen Monde um Jupiter sind fast kreisförmig und liegen in einer Ebene, die nur leicht zur Äquatorebene des Jupiters geneigt (3.13°) ist. Zweimal während eines rund 12-jährigen Umlaufs von Jupiter um die Sonne sehen wir das System der Galileischen Monde genau von der Kante. In dieser rund 12.5 Monate langen Phase (seit 21. Mai 2026) kann es zu gegenseitigen Bedeckungen und Verfinsterungen von Jupitermonden kommen. Die Monde scheinen quasi in Jupiters Äquatorebene hin und her zu wandern. Noch bis zum 6. Juni 2027 können solche gegenseitigen Jupitermondbedeckungen und -finsternisse beobachtet werden. Am Teleskop sieht man eine Art «Verschmelzen» zweier Monde oder aber einen deutlichen Helligkeitsabfall, wenn ein Mond den anderen verfinstert. Im September bedeckt Ganymed den Eismond Callisto am 9. ab 04:31 Uhr MESZ gut 8 Minuten, am 16. versteckt sich Europa ab 04:08 Uhr MESZ fast gänzlich während gut 4 Minuten hinter Io, und am 23. ereignet sich eine partielle Verfinsterung Europas durch den Schatten von Io ab 05:14 Uhr MESZ (Dauer gut 3 Minuten).
SaturnVenus wird am Abend von Saturn abgelöst, der uns von einer gänzlich planetenlosen Zeit am Abendhimmel bewahrt. Während wir den Ringplaneten in den Fischen zu Monatsbeginn um 22:00 Uhr MESZ noch 6° über dem Osthorizont entdecken können, steht er am 30. zur selben Zeit schon 25° hoch im Ostsüdosten.


Saturn und der fast noch volle Mond gemeinsam am Osthimmel. (Grafik: Thomas Baer)
UranusUranus ist am Morgenhimmel zu sehen und kann bis zum Beginn der Morgendämmerung teleskopisch beobachtet werden.
NeptunNeptun erscheint wie Saturn nun immer früher am Abendhimmel und kann für den Rest der Nacht teleskopisch etwas östlich des Frühlingspunktes beobachtet werden.

Den täglichen Astrokalender mit viel mehr Informationen gibt es in der Rubrik «Heute am Himmel»

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