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Der Sternenhimmel im November 2026

Thema des Monats: Die Leoniden wurden schon vor über 1000 Jahren beobachtet

Wenn die Rede auf den Leoniden-Sternschnuppenstrom fällt, denken wir an die heftigen und historisch gut dokumentierten Ereignisse im 19. und im späten 20. Jahrhundert. Doch der Meteorstrom ist schon sehr viel länger bekannt und hat Menschen schon vor über 1’000 Jahren in Erstaunen und wohl auch in Angst und Schrecken versetzt.

Beitrag: Thomas Baer, Redaktion ORION

Nicht nur im August gibt es Sternschnuppen zu beobachten, sondern eigentlich im Laufe des gesamten Jahres. So etwa erreicht der Meteorstrom der Leoniden stets Mitte November, dieses Jahr am 18. gegen 01:00 Uhr MEZ, sein Maximum. Dass wir meist nur von den Perseiden-Sternschnuppen lesen, hat wohl eher damit zu tun, dass es in den lauen Sommernächten sehr viel angenehmer ist, spätnachts noch an den Sternenhimmel zu schauen, als im kalten November, wo es ausserdem über dem Flachland oft Nebel hat. Die Leoniden haben ihren Ursprung im Kometen 55P/Tempel-Tuttle, der alle 33.3 Jahren wieder in die inneren Bereiche des Sonnensystems vordringt und eine Staubschleppe auf seiner Umlaufbahn hinterlässt.

Dies ist auch der Grund, warum die Leoniden-Sternschnuppen alle 33 Jahre einen wahren «Sternschnuppen-Regen» auslösen, in der Vergangenheit nicht selten mit Tausenden von Meteoren pro Stunde, die über den Himmel flitzten. Es gibt auch wunderbare Dokumente, die dieses Phänomen bereits im frühen 19. Jahrhundert darstellen, so etwa ein Holzstich von 1833 von Adolf Vollmy. Letztmals gab es einen vergleichbaren Sternschnuppen-Regen am 18. November 1999 zu sehen. In Ostasien, das damals zeitlich gut in der «dunklen Nacht» lag, registrierte man bis zu 6‘000 Meteore pro Stunde, aber auch in Nord- und Mittelamerika wurden rund 2‘000 Sternschnuppen gezählt! Das nächste grössere Ereignis erwarten wir im November 2032. Aber auch in allen Zwischenjahren lohnt es sich bei klarem Himmel nach den Leoniden Ausschau zu halten; vor allem in der Nacht vom 17. auf den 18. November. Auch wenn dieses Jahr nur zwischen 15 und 20 Meteore stündlich erwartet werden, können die Leoniden mit hellen Feuerbällen aufwarten. Ausserdem hinterlassen sie aufgrund der enormen Reibungshitze oft extrem helle, weisslich-blaue oder sogar grünliche Spuren am Nachthimmel, die manchmal noch Sekunden nachglühen. 


Der Grosse Meteorsturm von 1833 war zweifelsohne das beeindruckendste Meteorereignis der jüngeren Geschichte. (Bild: Holzstich: Adolf Vollmy)

Schon früher bekannt, aber erst spät erforscht

Erste Dokumente über den Leonidenschauer gibt es aus dem Jahr 901. Der Historiker Eutychius von Alexandria (877 – 940) hielt in seinem Werk «Annalen» einen interessanten Bericht über das Ereignis fest. Die Schilderung entspricht dem, was man von den Leoniden erwarten würde, allerdings stimmt etwas mit dem Datum nicht; dieses stimmte um 12 Tage nicht, wohl einem möglichen Datierungsfehler zuzuschreiben ist. Eutychius berschreibt, wie in Ägypten am Morgen eines Mittwochs, dem 9. Dhu al-Qa‘da (26. Oktober), die Sterne «in grosser Unruhe» gewesen seien und der Himmel in alle Richtungen erfüllt von Sternschnuppen war.
Auch im Folgejahr, das als «Jahr der Sterne» bezeichnet wurde, beobachtete man eine «grosse Zahl von Sternen, die sich – als wären sie durch die Atmosphäre geschleudert worden – von einem zentralen Punkt aus in alle Richtungen bewegten und wie Regen herabfielen.»

Auch durch die weiteren Jahrhunderte gibt es Dokumentationen, so etwa 935, 968, 1001, 1035, 1069, 1102, 1135. 1167, 1201, 1234, 1268, 1300, 1333, 1366, 1400, 1433, 1466, 1499, 1533, 1567, 1600, 1633, 1666, 1699, 1733, 1767, 1800, 1833, 1866, 1899, 1932/33, 1966 sowie 1994 – 1997 mit einem Maximum 1999. Was sofort auffällt; der rund 33-jährige Zyklus mit einer erhöhten Akitivät.

Die Nacht vom 12. auf den 13. November 1833 markiert eine Zäsur in der Erforschung der Leoniden und gleichzeitig auch den Beginn der Meteorastronomie. In den Stunden nach Sonnenuntergang registrierten die Astronomen eine ungewöhnlich hohe Fallrate an Meteoren. Im Osten Nordamerikas muss das Spektakel besonders eindrücklich gewesen sein. Bis in die Stunden vor Beginn der Morgendämmerung waren Tausende von Meteoren gesichtet worden!

Noch kaum eine Vorstellung, was Sternschnuppen sind

1833 wusste man über die Natur von Sternschnuppen noch wenig Bescheid. Die Schilderungen aber sind durchaus beeindruckend. So ist von schreienden Menschen zu lesen oder Lichtblitzen, durch die Leute aus dem Schlaf gerissen wurden. Schon damals kursierten die wildesten Vorstellungen, von hysterischen, ja abergläubischen Menschen, die das nahende Ende kommen sahen bis hin zur Begeisterung in wissenschaftlichen Kreisen. Nach diesem beeindruckenden Ereignis, das kaum jemanden, der dieses Spektakel nicht gesehen hatte, unberührt liess, wurden unzählige Theorien entworfen, zum Teil äusserst skurrile. So etwa berichtete der «Charleston Courier», eine historische Zeitung in Charleston (South Carolina, 1803), die Sonne habe Gase aus Pflanzen freigesetzt, die durch den Frost abgestorben seien und sich durch Elektrizität oder phosphorhaltige Teilchen in der Luft entzündet haben sollen. Nicht weniger abenteuerlicher schrieb der «United States Telegraph» von Südwinden, die eine Masse elektrisch geladener Luft herangeführt haben könnte, welche sich in der morgendlichen Kälte in Richtung Erde entlud.

Die damals treffendste Erklärung lieferte der US-amerikanische Astronom Denison Olmsted. Er ortete die Sternschnuppen als Erscheinung ausserhalb der Atmosphäre und formulierte die Vermutung, dass sie wohl mit Kometen in Zusammenhang stünden.

Leoniden-Meteorsturm, wie er in der Nacht vom 12. auf den 13. November 1833 über Nordamerika zu sehen war. (Quelle: E. Weiß: «Bilderatlas der Sternenwelt»)

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Der Sternenhimmel im November 2026

Sternkarte gültig am

1. November 2026 23:00 Uhr MEZ
15. November 2026, 22:00 Uhr MEZ
30. November 2026, 21:00 Uhr MEZ

Anblick des abendlichen Sternenhimmels im November 2026. (Grafik: Thomas Baer)

Astronomische Ereignisse im November 2026

Die schönsten Monatsereignisse im Überblick

SonneIm November sinkt die Sonne weiter ab und durchwandert die Sternbilder Waage, und ab dem 21. für neun Tage den Skorpion, ehe sie in den Schlangenträger wechselt. Am 3. durchschreitet das Tagesgestirn in Aarau bereits um 12:11 Uhr MEZ den Südmeridian. Dies ist auf das ganze Jahr betrachtet der «früheste Mittag»! Verglichen mit der spätesten Kulmination am 10. Februar beträgt der Zeitunterschied über eine halbe Stunde. Ursache ist die Zeitgleichung, die Differenz zwischen der wahren Sonnenzeit (WOZ) und der und der mittleren Sonnenzeit (Mittlere Ortszeit, MOZ), welche aufgrund der unterschiedlich schnellen Wanderschaft der Erde auf ihrer Umlaufbahn um die Sonne entsteht. Anfang Januar sind wir am schnellsten, Anfang Juli am langsamsten unterwegs. Dadurch vollzieht auch die Sonne vor den Fixsternen unterschiedlich grosse «Tagesschritte».
MondIn der ersten Woche des letzten Herbstmonats nimmt der Trabant ab; gleich zu Monatsbeginn haben wir das Letzte Viertel (abnehmender Halbmond). Danach können wir ihn als abnehmende Sichel immer mehr gegen die Morgendämmerung am östlichen Himmel sehen. Am. 2. und 3. begegnet der Mond den beiden immer näher zusammenrückenden Planeten Mars und Jupiter im Löwen, eine durchaus sehenswerte Konstellation. Neumond verzeichnen wir am 9. Danach taucht die Mondsichel am Abendhimmel auf. Das Erste Viertel (zunehmender Halbmond) wird am 17. im Sternbild Steinbock erreicht. Zwei Tage später lässt sich nach 23:00 Uhr MEZ der «Goldene Henkel» beobachten. Vollmond ist schliesslich am 24., übrigens der zweitgrösste in diesem Jahr! Jetzt nimmt der Mond wieder ab und durchwandert zuerst die Zwillinge, später den Krebs und den Löwen. Rund um den Tagwechsel 28./29. November bedeckt der abnehmende Dreiviertelmond noch einmal den offenen Sternhaufen M44 (Krippe).


Anblick des fast noch halben Mondes am 3. November 2026 gegen 01:00 Uhr MEZ. (Grafik: Thomas Baer)
MerkurMerkur gelangt am 4. in untere Konjunktion mit der Sonne und entfernt sich danach rasch westlich von ihr. Ab Monatsmitte beschert uns der flinke Planet eine respektable Morgensichtbarkeit. Am 15. können wir ihn gegen 07:15 Uhr MEZ +0.03mag hell über Ost zu Süd entdecken. An den folgenden Morgen wird er noch heller und steigt höher.
VenusVenus leistet dem sonnennächsten Planeten Gesellschaft. Der strahlende «Morgenstern» vollzieht einen grossen Bogen um den Jungfraustern Spica. Eine hübsche Konstellation erwartet uns am 7., wenn sich die schmale abnehmende Mondsichel dazugesellt.


Am 7. November 2026 gegen 06:30 Uhr MEZ bietet sich uns dieser Anblick. (Grafik: Thomas Baer)
MarsMars wandert deutlich schneller rechtläufig durch den Löwen als Jupiter. Er überholt den Riesenplaneten am 16. in 1.2° nördlichem Abstand.


Im Löwen treffen Mars und Jupiter aufeinander. Dargestellt ist die Situation um 01:00 Uhr MEZ. (Grafik: Thomas Baer)
JupiterDer grösste Planet des Sonnensystems wandert im November auf den Löwenstern Regulus zu, den er aber erst im Dezember überholt. Die nahe Begegnung mit Mars sollte man keinesfalls verpassen. Wie Mars, legt auch Jupiter an Helligkeit zu und leuchtet Ende Monat bereits –2.20mag hell.
SaturnSaturn können wir nach seiner Opposition im Vormonat im November noch immer so gut wie die ganze Nacht hindurch in den Fischen sehen.
UranusUranus gelangt am 25. in Opposition mit der Sonne. Teleskopisch können wir ihn Stier, etwas südöstlich der Plejaden finden.
NeptunAuf der nächtlichen Beobachtungstour lohnt sich auf jeden Fall ein Zwischenhalt bei Neptun. Besser als jetzt können wir ihn nämlich nicht sehen.

Den täglichen Astrokalender mit viel mehr Informationen gibt es in der Rubrik «Heute am Himmel»

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