Beitrag: Thomas Baer, Redaktion ORION
Thema des Monats: Der ringlose Saturn
Am vergangenen 23. März hat die Erde Saturns Ringebene gekreuzt. Ungünstigerweise stand der Planet zu diesem Zeitpunkt «hinter» der Sonne. Ansonsten hätten wir ihn vorübergehend ohne seine Ringe sehen können. Doch wenn Saturn im letzten Aprilviertel zögerlich wieder am Morgenhimmel erscheint, können wir sein «Wahrzeichen» hauchdünn, allerdings «von hinten durchleuchtet» sehen!
Die Rotationsachse von Saturn ist 27° gegen seine Umlaufbahnebene um die Sonne geneigt. Wer über die Jahre hinweg den Ringplaneten beobachtet, bekommt die langsam ändernde Ansicht auf das Ringsystem zu sehen. 2016/17 erschienen die Ringe maximal geöffnet; wir blickten von der Erde aus auf deren Nordseite. Seither verringerte sich der Sichtwinkel zusehends. 2023 erschienen die Ringe noch 9° weit geöffnet, und jetzt sind sie so gut wie «verschwunden». Am 23. März 2025 kreuzte die Erde die Ebene der Saturnringe, und da diese trotz ihrer gewaltigen Ausdehnung von rund 270’000 km (von der einen sichtbaren Ringkante zur gegenüberliegenden) nur gut 100 m (!) dünn sind, verschwinden diese vorübergehend gänzlich. Nur den feinen Schattenwurf hätte man auf der Saturnkugel sehen können. Leider befand sich der Planet noch praktisch «hinter» der Sonne (Konjunktion war am 12. März).
Über die Jahre verändert sich der Anblick Saturns am Fernrohr. Im März 2025 kreuzte die Erde die Ringebene des Planeten. (Grafik: Thomas Baer)
Dieses Mal nur eine einfache Passage
Die gegenseitigen Positionen von Sonne, Erde und Saturn sorgen ausserdem dafür, dass es gelegentlich zu dreifachen Kantenansichten kommt, so etwa in den Jahren 2038/39, 2054/55 und 2097/98, und zwar jahresübergreifend. In diesen Fällen steht Saturn einmal auch um den Oppositionstermin in Kantenlage zur Erde (16. März 2039, 16. September 2054, 18. März 2098).
Kantensicht | Passage | Passage Erde | Passage Sonne | Passage Erde | Passage Erde | Ringe unsichtbar |
2009 | Süd / Nord | – | 10.8.2009 | 4.9.2009 | – | 25 Tage |
2025 | Nord / Süd | 23.3.2025 | 6.5.2025 | – | – | 44 Tage |
2038/39 | Süd / Nord | 15.10.2038 | 22.1.2039 | 2.4.2039 | 9.7.2039 | 197 Tage |
Passage | Passage Erde | Passage Erde | Passage Sonne | Passage Erde | ||
2054/55 | Nord / Süd | 5.5.2054 | 31.8.2054 | 9.10.2054 | 1.2.2055 | 233 Tage |
Passage | Passage Erde | Passage Sonne | Passage Erde | Passage Erde | ||
2068 | Süd / Nord | – | 28.6.2068 | 25.8.2068 | – | 58 Tage |
2084 | Nord / Süd | 14.3.2084 | 27.3.2084 | – | – | 13 Tage |
2097/98 | Süd / Nord | 5.10.2097 | 13.12.2097 | 26.4.2098 | 18.6.2098 | 122 Tage |
Dieses Jahr werden die Saturnringe nur einmal verschwinden, und zwar am 23. März. Bis zum 15. Juli öffnen sich die Saturnringe auf 2.4″, erreichen Ende November noch einmal ein Minimum (0.1″), um bis zum Jahresende in Breite auf 0.5″ anzuwachsen.
In gewissen Jahren kann es zu dreifachen Kantenansichten kommen. In der Grafik oben sind die drei Situationen schematisch dargestellt. (Grafik: Thomas Baer)
Eine spezielle Geometrie sorgt für einen seltenen Effekt
Seit dem 23. März befindet sich die Erde nun knapp südlich von Saturns Ringebene. Wir blicken also knapp von unten auf das Ringsystem. Die Sonne ihrerseits scheint erst am 6. Mai genau auf die Ringkante. Bis dann werden die Saturnringe noch immer von Norden her angeleuchtet. Somit ergibt sich eine spezielle Geometrie und ein seltener Effekt: Zwischen dem 23. März und dem 6. Mai (während 44 Tagen) werden die Saturnringe quasi «von hinten» durchleuchtet.
Seit dem 23. März 2025 blicken wir von der Erde aus knapp von Süden her auf Saturn, doch die Sonne beleuchtet die Saturnringe noch bis zum 6. Mai von Norden her. (Grafik: Thomas Baer)
Bis zum 6. Mai hat sich Saturn bereits 47½° westlich von der Sonne entfernt und ist während einer guten Dreiviertelstunde vor Sonnenaufgang zu sehen. Gegen 05:30 Uhr MESZ steht er knapp 9° hoch über Ost zu Süd. Wer den Planeten dann beobachtet, wird feststellen, dass man auf der Planetenkugel keinen Schatten der Ringe sieht und die Ringe selbst nur ganz schwach, wenn überhaupt zu sehen sind, da sie durchleuchtet werden. Am Abend des 6. Mai um 18:28 Uhr MESZ – Saturn steht dann unter dem Horizont – könnten wir erleben, wie die Saturnringe wieder hell werden; in diesem Moment beginnt die Sonne das Ringsystem in flachem Winkel von Süden her zu beleuchten.
Wenn wir am Morgen des 7. Mai abermals Saturn durch das Teleskop betrachten, werden wir die schwach geöffneten Ringe wieder sehen. Sollte jemandem ein Vergleichsbild an den beiden Morgen gelingen, wären dies wohl die ersten Bilder von der Erde aus, welche die durchleuchteten Saturnringe zeigen!
Am 6. Mai erscheinen die Saturnringe morgens noch «durchleuchtet», am 7. Mai sind sie dann südseitig von der Sonne beschienen. (Grafik: Thomas Baer)
Saturn zuerst am Morgenhimmel, im Sommer und Herbst treuer Gast am Nachthimmel
Saturn zeigt sich während des Frühlings immer besser am Morgenhimmel. Er hält sich gut 2° südlich des Frühlingspunktes auf und ist rechtläufig in den Fischen unterwegs. Am Morgen des 25. Aprils können wir den Ringplaneten gut 4° südlich von Venus sehen, dazu die abnehmende Mondsichel.
Am 25. April sind Venus, Saturn und die abnehmende Mondsichel gemeinsam gegen 05:30 Uhr MESZ am Morgenhimmel zu sehen. (Grafik: Thomas Baer)
Schon im Mai verbessern sich die Verhältnisse, auch wenn Saturn infolge der recht flach zum östlichen Horizont verlaufenden Ekliptik keine grosse Höhe erreicht.
Je näher der Sommer rückt, desto früher geht Saturn auf und kann bis in die Morgendämmerung beobachtet werden. Im Juli geht er in den Stunden um Mitternacht auf, im August dann bereits in den Abendstunden. Der beste Monat aber wird der September sein, denn am 21. steht Saturn in Opposition zur Sonne und kann in dieser Phase die ganze Nacht hindurch bis zum Sonnenaufgang verfolgt werden.
Astronomische Ereignisse im April 2025
Die schönsten Monatsereignisse im Überblick
Sonne | Die Sonne steigt im April weiter von den Fischen in den Widder auf. Die Tage werden nun auf Kosten der Nächte merklich länger, und seit der Zeitumstellung am 30. März ist es abends bedeutend länger hell. Im Laufe des Monats steigt die Sonne mittags von 47° auf knapp 58° an. Morgens verfrühen sich die Sonnenaufgänge um 54 Minuten, abends verspäten sich die Sonnenuntergänge um fast 40 Minuten auf 20:36 Uhr MESZ. |
Mond | Gleich zu Monatsbeginn ist die zunehmende Mondsichel am Abendhimmel zu sehen. Am 1. kommt es spätabends vor Monduntergang zu einer sehenswerten Plejadenbedeckung. Nach 23:00 Uhr MESZ werden eine Vielzahl von Sternen bedeckt, unter ihnen 16, 23, 20 und Eta Tauri. Um Mitternacht steht der Mond vor dem Siebengestirn. An den folgenden Abenden steigt der Mond steil in den Abendhimmel, trifft am 2. auf Jupiter und zieht am 5. am Roten Planeten Mars vorüber. Gleichentags ist das Erste Viertel erreicht. Vollmond verzeichnen wir am 13., das Letzte Viertel am 21. In der verbleibenden Aprilwoche nimmt der Mond weiter ab und erreicht am 27. die Neumondstellung. |
Merkur | Der sonnennächste Planet entfernt sich nach seiner unteren Konjunktion rasch westlich von der Sonne und kann um den 20. April herum kurz nach 06:00 Uhr MESZ eventuell durch einen Feldstecher erspäht werden. Da die morgendliche Ekliptik flach zum Südosthorizont verläuft, erreicht Merkur diesmal keine grosse Höhe und bleibt ein «schwieriger Kandidat». |
Venus | Auch Venus stand in unterer Konjunktion und setzt sich nun allmählich am Morgenhimmel durch. Dank ihrer nördlichen Position (über der Sonne) schafft sie es noch knapp sich vor Sonnenaufgang in der hellen Morgendämmerung zu zeigen. Zu Monatsbeginn ist das Sichtbarkeitsfenster noch kurz. Etwas länger können wir den «Morgenstern» zum Monatsende hin über Ost zu Süd sehen. Am 29. steht Venus 3¾° nördlich des deutlich lichtschwächeren Saturn. Schon am 25. ergibt sich zusammen mit der abnehmenden Mondsichel eine hübsche Konstellation. |
Mars | Der Rote Planet verlässt die Zwillinge in Richtung Krebs. Gleich zu Monatsbeginn finden wir ihn knapp südöstlich des Sterns Kappa Geminorum. Am 5. April bildet er zusammen mit dem zunehmenden Halbmond und den beiden Zwillingssternen Kastor und Pollux eine Linie. Am Monatsletzten trifft er auf den Stern Eta Cancri und steht nur noch 2° westlich des offenen Sternhaufens M44. |
Jupiter | Der grösste Planet der Sonnenfamilie zieht sich mit Einbruch der Dunkelheit immer weiter nach Westnordwesten zurück und wird langsam aber sicher von der Sonne eingeholt. Längst ist Jupiter nicht mehr so auffällig wie noch zu Jahresbeginn; seine Helligkeit sinkt weiter von –2.11mag auf –1.98mag. Von Auge kann man ihn aber noch immer gut zwischen den beiden Stierhörnern sehen. Ende April nähert er sich Zeta Tauri. |
Saturn | Saturn ist zu Monatsbeginn noch nicht zu sehen. Nur langsam wird seine westlicher Winkelabstand von der Sonne grösser. Erst im letzten Monatsviertel kann man ihn in der Morgendämmerung zusammen mit Venus erkennen. |
Uranus | Uranus verabschiedet sich im Laufe des Monats vom Abendhimmel. Sobald es einigermassen dunkel ist, steht der Planet schon tief im Westnordwesten. |
Neptun | Neptun bleibt im April 2025 unbeobachtbar. |
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