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Der Sternenhimmel im Februar 2026

Thema des Monats: Der «Da Vinci Glow» im Spätwinter und Frühjahr besonders intensiv

Leonardo da Vinci hat die Entstehung des «Erdscheins» als einer der ersten richtig verstanden und 1510 in seinem Werk Codex Leicester als Widerschein der Erde korrekt beschrieben. Ihm zu Ehren wird das Phänomen noch heute als «Da Vinci Glow» («Da Vincis Glühen») benannt. In den Monaten Februar bis April ist die Erscheinung am Abendhimmel besonders intensiv wahrnehmbar.

Beitrag: Thomas Baer, Redaktion ORION

Sicher ist Ihnen auch schon aufgefallen, dass in den Tagen kurz nach Neumond abends oder vor Neumond morgens nicht nur die schmale Mondsichel, sondern auch der Rest des Mondes fahl grau erhellt erscheint. Dies ist der Erdschein. So wie der Vollmond unsere irdischen Nächte erhellt, würde ein fiktiver Mondbeobachter um Neumond herum eine «Vollerde» erleben, welche hell am Mondhimmel stünde. Der matte Erdschein im sonnenabgewandten Teil des Mondes ist also nichts anderes als reflektiertes Sonnenlicht von der Erde.


Der Erdschein kann bis etwa drei oder vier Tage nach oder vor Neumond gut von Auge gesehen werden. Es handelt sich dabei um von der Erde auf die Mondnachtseite reflektiertes Sonnenlicht. (Grafik: Thomas Baer)

Leonardo da Vinci beschrieb das Phänomen

Schon im frühen 16. Jahrhundert erinnerte man sich an das «verlorengegangene Wissen» der Antike. Eine bekannte Persönlichkeit der Renaissance war Leonardo da Vinci. In seinem 1510 veröffentlichten Codex Leicester, in dem er viele Seiten mit wissenschaftlichen Berichten, Beobachtungen und Skizzen präsentierte, findet sich auch eine korrekte Erklärung, wie der Erdschein auf der sonnenabgewandten Mondseite zustande kommt.

Links unten beschreibt Leonardo da Vinci die Entstehung des Erdlichts. (Quelle: Wikipedia)


Allerdings wurde der aschgraue Erdschein wohl bereits von den Mesopotamiern richtig verstanden, denn die Gelehrten erkannten, dass die Mondphase, also die eigentliche Lichtsichel, nichts mit dem fahlen Schimmer der restlichen Mondscheibe zu tun haben könne.
In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts widmete sich der französische Astronom André Danjon mit gezielten Helligkeitsmessungen dem Erdlicht, um mögliche Rückschlüsse auf das Rückstrahlvermögen (Albedo) der Erde zu ziehen. Bereits Danjon konnte tatsächlich jahreszeitliche Schwankungen der Intensität feststellen.

Bereits im Januar 2026 war das Erdlicht besonders intensiv zu sehen. Wir sehen hier die untergehende Mondsichel am 21. Januar. Beim Stern links des Mondes handelt es sich um Sigma Aquarii. (Grafik: Thomas Baer)

Im Spätwinter mehr Wolken und Schneeflächen

Messbar intensiver fällt das Erdlicht vom Spätwinter bis in den Frühling hinein aus (Monate Februar bis April). Dies hat mit der Wolkenverteilung auf der Erde zu tun, aber auch mit den weiten Schneeflächen, die sich auf der Nordhemisphäre – diesen Winter wieder wesentlich ausgeprägter als in den vergangenen Jahren (!) – gebildet haben. Im Frühjahr sind deutlich mehr Wolken unterwegs als während des Sommers.
Die Albedo (lat. das «Weisse») ist ein Mass, das die Stärke des Rückstrahlvermögens angibt. Eine Albedo mit dem Wert 1 würde einer 100%-igen Reflexion entsprechen. Wolken haben eine Albedo von 0.60 – 0.90 (60 % bis 90 %), frischgefallener Schnee von 0.80 – 0.90 (80 % bis 90 %), während Wüstenflächen nur noch mit 30 % reflektieren, Felder noch mit knapp 30 % und Waldflächen mit 5 % – 18 %. Noch geringer ist das Reflexionsvermögen von Wasserflächen. Dieses liegt je nach Einfallswinkel des Sonnenlichts zwischen 5 % – 22 %.

Jährliche globale Wolkenverteilung. Je weisser, desto wolkenreicher ist ein Gebiet. Wir stellen unschwer fest, dass vor allem die Nordhemisphäre eine höhere Bewölkungsrate zeigt. (Quelle: NASA)

Da nun die Landmassen nördlich des Äquators gegenüber der Wasserflächen dominieren, ergeben sich die jahreszeitlichen Schwankungen der Erdalbedo. Noch bis weit in den Frühling hinein sind weite Gebiete Sibiriens und Nordamerikas ausserdem schneebedeckt. Im nördlichen Sommerhalbjahr fallen diese ausgedehnten hellen Flächen dann weg. Im «Südwinter» sind nur in Patagoien grössere Gebiete schneebedeckt, während Schnee im südlichen Afrika und in Australien recht selten vorkommt, und wenn, dann nur in den höchsten Lagen. Somit ist die Erdalbedo in den Monaten Mai bis Oktober tiefer als während des Nordwinters.

Steile Ekliptik im Frühjahr

Begünstigt wird die gute Sichtbarkeit des Erdlichts ab dem Spätwinter bis in den Frühling hinein aufgrund der abends steil zum westlichen Horizont verlaufenden Ekliptik (scheinbare jährliche Sonnenbahn). Diese sorgt dafür, dass wir den Mond nach Neumond meist schon einen Tag später in der Abenddämmerung sehen können, seltener sogar wenige Stunden nach der Neumondphase. Am 18. Februar 2026 können wir die Mondsichel 29¼ Stunden nach Neumond sehen, am 19. März 2026 lediglich 16½ Stunden später.

In der Rubrik «Heute am Himmel» finden Sie den ausführlichen Tageskalender. Überdies fasst das «Sternenhimmelheft 2026» von Astro Pool das Astronomiejahr 2026 illustrativ zusammen. Bestellen Sie ab dem 1. Februar 2026 bereits das «Sternenhimmelheft 2027» und das Sonnenfinsternis-Spezialheft zu den grossen europäischen Sonnenfinsternissen bis 2030.

Der Sternenhimmel im Februar 2026

Sternkarte gültig am

1. Februar 2026 23:00 Uhr MEZ
15. Februar 2026, 22:00 Uhr MEZ
28. Februar 2026, 21:00 Uhr MEZ


Anblick des abendlichen Sternenhimmels im Februar 2026. (Grafik: Thomas Baer)

Astronomische Ereignisse im Februar 2026

Die schönsten Monatsereignisse im Überblick

SonneIm Februar spürt man rasch, wie es täglich länger hell bleibt. Die Sonne befindet sich nun auf dem aufsteigenden Ast der Ekliptik und steigt mittags über den gesamten Monat betrachtet um rund 10° von 25° auf knapp 35° an. Die Sonnenaufgänge verfrühen sich bis zum 28. auf 07:10 Uhr MEZ, während sich die Sonnenuntergänge um ganze 40 Minuten auf 18:10 Uhr MEZ verspäten. Rechnet man noch die Abenddämmerung hinzu, wird es zum Monatsende hin erst gegen 20:00 Uhr MEZ richtig dunkel.
MondDer Februar startet gleich mit einem Vollmond. Der Erdtrabant befindet sich im Sternbild Krebs und wandert am frühen Morgen des 3. gegen 05:00 Uhr MEZ haarscharf südlich am Löwenstern Regulus vorbei. Die Mondaufgänge verlagern sich jetzt immer weiter in die zweite Nachthälfte und später in die Morgenstunden hinein. Das Letzte Viertel (abnehmender Halbmond) verzeichnen wir am 9. im Sternbild der Waage. Die abnehmende Mondsichel erreicht am 12. ihre südlichste Lage im Schützen und kann drei Tage später gegen 07:15 Uhr MEZ letztmals vor Neumond gesehen werden. Am 17. ist Neumond mit einer ringförmigen Sonnenfinsternis über der Antarktis, die im südlichen Atlantik, Südafrika und Madagaskar in ihrer partiellen Phase beobachtet werden kann. Danach erscheint die Mondsichel am Abendhimmel, zieht, wie eingangs beschrieben an Merkur und Venus vorbei und schliesst bis zum 19. zu Saturn auf. Das Erste Viertel (zunehmender Halbmond) wird am 24. erreicht. Noch vor dem nächsten Vollmond (am 3. März 2026) wandert der Trabant am 27. spätnachts vor dem Zwillingsstern Kappa Geminorum durch und bedeckt diesen zwischen 23:04 Uhr MEZ und 23:57 Uhr MEZ.


Eine sehenswerte Konstellation ergibt sich am Abend des 18. Februars 2026 gegen 18:15 Uhr MEZ, wenn die hauchdünne Mondsichel genau zwischen Merkur und Venus zu stehen kommt. (Grafik: Thomas Baer)
MerkurMerkur können wir bereits ab der ersten Februarwoche in der Abenddämmerung erspähen. Seine beste Abendsichtbarkeit erlebt er um den 20. herum, wenn er etwas mehr als 18° von der Sonne entfernt steht. Dann wird man ihn über 10° hoch in westlicher Richtung sehen.
VenusVenus tut sich noch etwas schwer, doch dank ihrer grossen Helligkeit als «Abendstern» wird man sie dennoch knapp über dem Horizont entdecken.
MarsMars wird von der Sonne am 9. eingeholt und überholt. Er bleibt unbeobachtbar.
JupiterJupiter, hoch in den Zwillingen, begleitet uns nach seiner Opposition bis in die Morgenstunden hinein durch den letzten Wintermonat. Er entfernt sich noch ein Stück von Wasat (Delta Geminorum) westwärts.
SaturnEbenfalls am Abendhimmel ist noch Saturn zu sehen, auch wenn er langsam von der Sonne eingeholt wird.
UranusUranus kann mit Einbruch der Dunkelheit teleskopisch beobachtet werden. Wir finden ihn südlich der Plejaden.
NeptunEtwas nordöstlich von Saturn stossen wir teleskopisch auf den +7.81mag lichtschwachen Neptun. Wie der Ringplanet wird er langsam immer schwieriger beobachtbar, da sich sein Beobachtungszeitfenster verkürzt.
Den täglichen Astrokalender mit viel mehr Informationen gibt es in der Rubrik «Heute am Himmel»

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