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Der Sternenhimmel im März 2023

Beitrag: Thomas Baer, Redaktion ORION & Peter Grimm

Objekt des Monats: Das Siebengestirn – die Plejaden

Jeweils im Herbst taucht diese kleine Sterngruppe, die an einen «Mini-Wagen» erinnert und zum Sternbild Stier gehört, im Osten auf und ist schliesslich den ganzen Winter hindurch bis weit in den Frühling – dann am nordwestlichen Himmel – sichtbar. Es handelt sich um einen offenen Sternhaufen in rund 444 Lichtjahren Entfernung. Um das Siebengestirn, wie das Sterngrüppchen im Volksmund auch genannt wird, ranken sich viele Sagen und Geschichten. Das bekannte Märchen vom «Wolf und den sieben Geisslein» geht aller Wahrscheinlichkeit nach auf die Bedeckung der Plejadensterngruppe durch den Mond zurück.

In den Frühjahrsmonaten kann man die Plejaden nach Sonnenuntergang mehr und mehr am nordwestlichen Abendhimmel entdecken. Bei einem flüchtigen Blick sieht man eine Art «nebliges Fleckchen», doch wenn man genau hinschaut, so zählt man sechs hellere Sterne. Der französische Astronom Charles Messier hat die Plejaden unter der Nummer 45 in seinem Katalog versehen.

Bei den Plejaden handelt es sich mit einem Alter von rund 100 Mio. Jahren um recht junge Sterne. Sie sind aus einem interstellaren Nebel entstanden. Auch wenn man von Auge nur die hellsten Sterne ausmachen kann, stellt man schon beim Anblick durch ein Fernglas fest, dass noch sehr viel mehr Sterne in dieser Gegend funkeln. Die Astronomen schätzen etwa 400 Sterne, die zu dieser Gruppe gehören, manche gehen sogar von bis zu 1’000 Sternen aus, da sich noch immer Restgase und Staubwolken in der Umgebung befinden, die die Sicht versperren. Wenn man die Plejaden länger belichtet, sieht man die Sterne in zarte Nebelschleier eingebettet.


Die Plejadensterngruppe im Stier ist im Frühling am Abendhimmel in nordwestlicher Blickrichtung zu sehen. (Bild: Thomas Baer, Redaktion ORION)

Wie entsteht ein «offener» Sternhaufen?

Als offene Sternhaufen werden Ansammlungen von Sternen bezeichnet, die zwischen 100 und ein paar 1’000 Sterne beherbergen. Allen gemeinsam, ist ihre Entstehung. Im Unterschied zu Kugelsternhaufen, die zu den ältesten Objekten überhaupt zählen und gut und gerne mehrere zehntausend Sterne enthalten, bilden sich offene Sternhaufen aus derselben Molekülwolke. Es handelt sich um junge Sterne. Sie sind meist nicht viel älter als ein paar hundert Millionen Jahre.
Ein Blick auf eine Sternkarte zeigt weiter, dass alle offenen Sternhaufen entlang der Milchstrasse zu finden sind, während Kugelsternhaufen, die unsere Galaxie umgeben, über den gesamten Himmel verteilt sind. Ein offener Sternhaufen hat eine gewisse Eigendynamik. So kommt es nicht selten vor, dass solche Sternhaufen Mitglieder durch die Eigenbewegung der Sterne verlieren. Bei sehr jungen offenen Sternhaufen, zu denen die Plejaden gehören, sieht man oft noch die Überreste der Molekülwolke, aus der sie entstanden sind. Die jungen Sterne hellen die ionisierte H-II-Region auf. Der Strahlungsdruck der Sterne sorgt auch dafür, dass die Molekülwolke zerstreut wird oder sich im Laufe von Jahrmillionen ganz verflüchtigt.


Belichtet man die Plejaden länger, so werden Gas- und Staubwolken sichtbar. Auch wenn das «Siebengestirn», wie jeder offene Sternhaufen aus einer Molekülwolke entstanden ist, handelt es sich bei den Reflexionsnebeln um eine zufällige Begegnung mit einer anderen Molekülwolke. (Quelle: NASA, ESA, AURA/Caltech, Palomar Observatory)

Warum haben die Plejaden so viele Namen?

Obwohl wir heute nur noch sechs hellere Sterne von Auge ausmachen können, trägt die Sterngruppe im deutschen Sprachraum auch den Namen «Siebengestirn». Sechs der sieben Plejaden-Schwestern (Maia, Alcyone, Asterope, Celaeno, Taygeta, Electra und Merope), so der Sage nach, wurden von griechischen Göttern verführt. Nur eine von ihnen, Merope, heiratet einen Sterblichen und verbirgt sich vor Scham darüber, denn er war Sisyphos (daher nur sechs sichtbar). Auch der Name Elektra fällt hier, sie habe den Untergang Trojas nicht verwinden können, das von ihrem Sohn begründet worden war. Sie halte ihre Hand vor die Augen. – Für die Astronomen ist jedoch Asterope die hier vom Leuchten her schwächste Plejade. – Die Bibel bezeichnet in einer Hiob-Übersetzung diesen Himmelsbereich als «Clock henne with her chickens», zu deutsch «Gluckhenne».

Die Plejaden galten in der griechischen Mythologie als Nymphen. Sie sind die Töchter des Titanen Atlas und der Okeanide Pleione. Durch ihre Abstammung von Atlas werden sie auch als Atlantiden bezeichnet. Sie wurden als die jungfräulichen Begleiterinnen der Artemis bezeichnet, die Orion über die Wiesen Böotiens verfolgte, bis sie in Tauben (peleiades) verwandelt und als Sternbild in den Himmel versetzt wurden.

Nach einer anderen Erzählung nahmen sich alle aus Betrübnis über den Tod ihres Bruders Hyas zusammen mit ihren Schwestern, den Hyaden, das Leben, bevor sie in den Himmel erhoben wurden.

Als Tauben seien die Plejaden ausgeflogen, um Zeus die Ambrosia zu bringen. Dabei mussten sie durch jenes Felsentor fliegen, das auch die Argo (im Zug der Argonauten – vgl. den Beitrag unten zum Widder) passieren musste – die Plegades oder Symplegaden. Eine dieser Tauben habe diesen Durchflug immer mit ihrem Leben bezahlt – und sei von Zeus jeweils ersetzt worden – vielleicht um das nach ihnen benannte «Siebengestirn» vollständig zu halten.

Die Plejaden gehörten zur Zeit der Sumerer zum Sternbild Stier und wurden auch «Sieben-Gottheit der grossen Götter» genannt. (Vermutlich der Ausgangspunkt für das spätere «Siebengestirn»). Figürlich wurden die Plejaden als Ähre mit 7 Körnern dargestellt.

Der bekannte sumerische mul.apin-Keilschrifttext (mit astronomischen Infos) bezieht sich auf eine (sumerische) Zeit um etwa 2200 v.Chr. Der Zusammenhang mit den Sumerern/Zweistromland (heute Irak) zeigt also auch, dass schon zu jener Zeit Wissensaustausch zwischen den beiden Kulturen bestanden haben muss, denn die leicht jüngere Nebra-Scheibe übernahm die etwas ältere Schaltregel aus dem Zweistromland. 

Auf einer babylonischen Tontafel aus dem 7. / 6. Jh. v. Chr. ist der “mul.apin”-Text enthalten. Darin steht sinngemöss diese Schaltjahr-Regel: Wenn im Frühlingsmonat (mit dem das Jahr damals begann) die Neulichtsichel am ersten Tag beim Siebengestirn steht, dann ist dies ein gewöhnliches Jahr. Steht in diesem Monat der Mond aber erst am dritten Tag bei den Plejaden (und damit als eine dickere Sichel) , muss ein Schaltmonat eingefügt werden.

Genau dieser Sachverhalt ist auf der Himmelsscheibe von Nebra (siehe weiter unten) verschlüsselt. Die Dicke der auf der Himmelsschibe dargestellten Mondsichel (sie ist nicht mehr ganz schmal!) entspricht dem Alter des Mondes in der Schaltregel! Als der Autor (Peter Grimm) seinerzeit das erste Mal ein Bild der Nebrascheibe sah, war mir gleich klar, dass dies die sumerisch-babylonische Plejaden-Schaltregel darstellte. Es dauerte aber noch ein paar Jährchen, bis dies die Archäologie-Weisen ebenfalls herausfanden und lauthals weiterverkündeten.

Der «Mondwolf» und die sieben Geisslein

Es sind aber nicht nur Sagen aus der griechischen Antike überliefert. So etwa könnte die Bedeckung der Plejaden durch den Mond – ab 2024 wieder mehrfach jährlich auch in europäischem Himmel wieder zu beobachten (!) – das bekannte Märchen der Gebrüder Grimm vom «Wolf und den sieben kleinen Geisslein» auf genau dieses Himmelsphänomen zurückgehen. Als 1812 ihr erster Band ihrer «Kinder- und Hausmärchen» erschien, präsentierte sich die hell strahlende Venus in den ersten Apriltagen der Jahre 1801 und 1809 nahe des Sterngrüppchens, was zweifelsohne für Aufregung gesorgt haben dürfte.
Der Klotener Astronom und Meteorologe Dr. William Brunner veröffentlichte vor vielen Jahren in der Neuen Zürcher Zeitung einen Beitrag, wo er das Märchen astronomisch und die Rollen von Mond (Wolf) und Venus (Geissenmutter) erklärt. Wir haben diese Thematik im ORION 4/07 aufgegriffen; hier auf den Seiten 10 – 13 nachzulesen: https://www.e-periodica.ch/digbib/view?pid=ori-001%3A2007%3A65%3A%3A126#126


Ab 2024 gibt es wieder eine ganze Serie von Plejadenbedeckungen durch den Mond, von denen etliche auch in Europa zu sehen sein werden. In dieser Darstellung sehen wir die Bedeckung in der Nacht vom 1. auf den 2. April 2025. Die zunehmende Mondsichel überquert das Siebengestirn fast zentral. (Grafik: Thomas Baer, Redaktion ORION)

Die Plejaden auf der Himmelsscheibe von Nebra

Die kreisförmige Bronzeplatte mit ihren goldenen Verzierungen, die im Sommer 1999 nahe der Stadt Nebra von Raubgräbern gefunden wurde, ist rund 4’000 Jahre alt! Das Relikt aus der Bronzezeit zeigt neben religiösen Symbolen auch astronomische Phänomene. Während man bei den 32 goldenen Punkte anfänglich Sterne oder Sternbilder vermutete, waren sich die Wissenschaftler einig, dass es sich bei den sieben dicht beisammenstehenden goldenen Punkten um die Sterne der Plejaden handeln muss. Die Vermutung liegt auf der Hand: Die Sterngruppe musste schon vor 4’000 Jahren als Orientierungshilfe eine zentrale Bedeutung gehabt haben.

Die Plejaden sind von Europa aus nicht das ganze Jahr über am Himmel zu sehen. Im Frühjahr kann man sie bis etwa Mitte April gerade noch in der Abenddämmerung sehen. Im Hochsommer tauchen sie dann am Morgen- und im Herbst ab Oktober am Abendhimmel auf. Im Frühling kann man in der Abenddämmerung den jungen, sichelförmigen Mond bei den Plejaden stehen sehen – alle acht Jahre, wenn die Mondbahn vor dem Sterngrüppchen verläuft sogar sehr nahe; am Abendhimmel des Herbstes und Winters werden sie vom Dreiviertelmond oder Vollmond besucht.
Diese Konstellationen stellen also die wichtigsten Termine im bäuerlichen Jahr dar; die Zeiten von Aussaat und Ernte konnten am Himmel «abgelesen» werden. In vielen Bauernregeln stösst man auf diesen Bezug, aber auch in zahlreichen antiken Texte.

Die Himmelsscheibe von Nebra. Die sieben Sterne links der zunehmenden Mondsichel stellen mit grosser Wahrscheinlichkeit die Plejaden dar. (Quelle: Wikipedia)

Der japanische «Subaru»

Wer das Subaru-Logo schon einmal näher begutachtet hat, dem sind die fünf kleineren und ein sechster hellerer Stern aufgefallen. In der Tat werden die Plejaden in Japan «Subaru» genannt. Das Logo wurde so dargestellt, dass der grosse Stern auf der linken Seite die Fuji Heavy Industries repräsentiert, die fünf kleineren Sterne auf der rechten Seite sind durch seine Tochtergesellschaften vertreten, einschliesslich eben der Subaru-Automobilindustrie.
Das Logo hat eine lange Geschichte, die bis ins Jahr 1917 zurückreicht. Nicht ganz zufällig suchte man ein passendes Symbol, denn 1953 erhielt Fuji die Bewilligung, sechs kleine Unternehmen zusammenzuführen, die Fuji Heavy Industrie. Und das Wort «Subaru» bedeutet so viel wie «zusammenführen».

Das Subaru-Logo zeigt die Plejadensterngruppe. (Quelle: Wikipedia)

Astronomische Ereignisse im März 2023

Die schönsten Monatsereignisse im Überblick

SonneAm 20. März überquert die Sonne den Himmelsäquator nordwärts; wir haben den Astronomischen Frühlingsanfang. Tag und Nacht sind gleich lang. Ab diesem Datum sind die Nächte nun wieder kürzer und die Sonne steigt in der Ekliptik immer höher. Die Sonnenaufgänge verfrühen sich im Laufe des Monats um eine Stunde von 07:07 Uhr MEZ auf 07:08 Uhr MESZ, die Sonnenuntergänge verspäten sich 18:10 Uhr MEZ (am 1. März) auf 19:54 Uhr MESZ (am 31.). In dieser Zeit steigt das Tagesgestirn mittags von knapp 35° auf fast 47° über den Südhorizont.
MondDer Mond startet als grosser zunehmender Dreiviertelmond in den Monat. Am Abend des 2. März können wir den «Goldenen Henkel» am Mond sehen. Vollmond ist am 7. März im Sternbild des Löwen. Das Letzte Viertel verzeichnen wir am 15. März, den erdnahen Neumond am 21. März. Im letzten Monatsdrittel nimmt der Mond wieder zu: Das Erste Viertel verzeichnen wir am 29. März.
MerkurZu Monatsbeginn können wir den sonnennächsten Planeten nicht beobachten. Im Vormonat beendete er seine bescheidene Morgensichtbarkeit und gelangt am 17. in obere Konjunktion mit der Sonne (dazu: https://orionportal.ch/was-ist-eine-konjunktion/). Erst zum Monatsende hin wird man den flinken Planeten zögerlich am Abendhimmel auffinden können. Am 28. März begegnet er dem Planeten Jupiter.
VenusVenus ist als «Abendstern» der Glanzpunkt in den Stunden nach Sonnenuntergang. Sie baut ihre Abendsichtbarkeit weiter aus. Am Abend des 1. März 2023 begegnet sie eng dem Planeten Jupiter. Die beiden Gestirne trennen dann etwas mehr als eine Mondbreite voneinander.
MarsMars ist zwar noch immer gut zu erkennen, doch längst nicht mehr so hell wie noch in den beiden Vormonaten. Mittlerweile ist er fast gleich hell wie der ebenfalls rötlich funkelnde Stern Aldebaran im Stier. Im Laufe des Monats wandert der Rote Planet zwischen den beiden Stierhörnern durch in Richtung Zwillinge.
JupiterDer grösste Planet des Sonnensystems ist noch in den Abendstunden über dem westlichen Horizont zu beobachten. Seine Beobachtungszeit wird jedoch Abend für Abend verkürzt, und der Planet sinkt immer mehr in die hellen Bereiche der Abenddämmerung ab. Kurz vor seinem Abschied vom Abendhimmel stattet ihm Merkur am 28. einen Besuch ab. Das Aufeinandertreffen (1½° sind die beiden Gestirne voneinander getrennt) lässt sich am ehesten durch ein Fernglas beobachten.
SaturnSaturn stand im Februar in Konjunktion mit der Sonne und bleibt vorderhand noch überstrahlt. Erst in der letzten März-Dekade kann man den Ringplaneten mit etwas Glück und bei sehr klaren Verhältnissen tief am östlichen Horizont in der Morgendämmerung entdecken.
UranusUranus ist zunächst noch teleskopisch noch bis in die ersten Abendstunden hinein zu beobachten. Zum Monatsende hin wird er aber ein immer schwierigeres Beobachtungsobjekt.
NeptunNeptun bleibt den ganzen Monat über unbeobachtbar. Am 16. März gelangt er in Konjunktion mit der Sonne und wird völlig überstrahlt.
Den täglichen Astrokalender mit viel mehr Informationen gibt es in der Rubrik «Heute am Himmel»

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