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Der Sternenhimmel im März 2026

Thema des Monats: Sternbedeckungen durch den Mond

Bis vor wenigen Jahrzehnten diente die Beobachtung von Sternbedeckungen durch den Mond zur Überwachung der Mondbewegung. Heute sind es für uns bloss noch interessante Ereignisse, etwa, wenn ein heller Stern wie Regulus am 29. März hinter dem Erdtrabanten verschwindet. Der Mond wird längst durch Lasermessungen und Satelliten überwacht. Amateurastronomen beobachten mittlerweile viel lieber Sternbedeckungen durch Asteroiden und tragen zu deren Bahnvermessungen bei.

Beitrag: Thomas Baer, Redaktion ORION

Die Beobachtung von Sternbedeckungen durch den Mond war bis vor wenigen Jahrzehnten ein wichtiges Betätigungsfeld für Amateurastronomen. Wenn sich der Erdtrabant auf seiner monatlichen Wanderschaft vor einen Fixstern schob, konnte man dank gemessenen Bedeckungszeiten die Mondbewegung überprüfen. Wer denkt, der Mond ziehe seine Bahn schön gleichmässig um die Erde, irrt. In der Tat unterliegt er verschiedenen Störungen, an der primär die Sonne, aber auch die Erde selbst und in geringem Masse sogar die Planeten mit ihren Anziehungskräften Schuld haben. So etwa will die Sonne den Mond aus seiner elliptischen Bahn zerren oder ihn von seinem 5° schrägen Orbit in die Ebene von Erde und Sonne ziehen. Dies führt dazu, dass wir den Mond eigentlich nie dort am Himmel sehen, wo er an sich stehen müsste, würde nicht permanent an ihm «gerüttelt». Mal eilt er seiner Position voraus, mal bleibt er zurück. Noch im 19. Jahrhundert konnte man aufgrund dieser Mondbahnstörungen etwa den exakten Verlauf einer totalen oder ringförmigen Sonnenfinsternis auf der Erde nur ungenau angeben. So war man sich nicht ganz klar, ob die letzte in der Schweiz beobachtbare totale Sonnenfinsternis am Morgen des 8. Juli 1842 über dem Mendrisiotto und dem Puschlav vollständig ausfallen würde oder ob die Zone deutlich nördlicher oder südlicher verlaufen würde. Dank der Sternbedeckungen durch den Mond hatten die Astronomen präzise Daten, denn so kannte man den exakten «Mondort», also die wahre Position des Mondes im Raum. Auch wenn die Bedeckung des Löwensterns Regulus am 29. März ein interessantes Ereignis sein mag, hat die wissenschaftliche Bedeutung heute nachgelassen. Längst überwachen und messen Satelliten die Mondbewegung, und Amateurastronomen verfolgen viel lieber Sternbedeckungen durch Asteroiden.   


Der Mond kurz nach einer Aldebaran-Bedeckung am 28 April 2017. Vor neun Jahren verlief die Mondbahn viel weiter südlich. (Bild: Thomas Baer)

Mond bedeckt den Löwenstern Regulus

Wer am Abend des 29. März gegen 20:30 Uhr MESZ nach dem Löwenstern Regulus Ausschau hält, wird an seiner Stelle den zunehmenden Dreiviertelmond sehen. Kurz zuvor, um 20:20.7 Uhr MESZ (für Zürich), ist der Stern vom dunklen Mondrand erfasst worden und bleibt bis um 21:33.3 Uhr MESZ bedeckt.
Entlang der Ekliptik gibt es mit Aldebaran im Stier, Regulus im Löwen, Spica in der Jungfrau und Antares im Skorpion nur vier helle Sterne, die vom Mond gelegentlich bedeckt werden können. Seit 2025 und noch bis 2027 ist Regulus an der Reihe.

Die Mondbahn (grüne Linie) schwingt sich unter einem Winkel von etwas mehr als 5° über oder unter die Ekliptik (gestrichelte Linie). An zwei Punkten schneidet die Mondbahn die scheinbare Sonnenbahn; diese werden Mondknoten genannt. Oben sehen wir die aktuelle Lage der Mondbahn Ende März 2026. Derzeit erfährt die Mondbahn im Bereich des Stiers ihre maximale nördliche Abweichung von der Ekliptik und entfernt sich in der Waage und im Skorpion 5° von dieser südlich. Wir können somit ein rund 10° breites Band mit der Ekliptik als Mittellinie definieren, in dem Sternbedeckungen durch den Mond überhaupt möglich sind. Nur vier helle Sterne liegen innerhalb dieses Streifens. In diesem Jahr sind Regulus sowie die Plejadensterngruppe an der Reihe, während Spica weit südlich passiert wird und auch Antares im Skorpion und Aldebaran im Stier verfehlt werden.  (Grafik: Thomas Baer)

Dass die vier genannten Sterne nicht in denselben Jahren bedeckt werden können, hängt mit der aktuellen Lage der Mondbahn ab. Aktuell liegt der absteigende Mondknoten – dies ist der Schnittpunkt zwischen der Mondbahnebene und der Ekliptik – im Löwen, nahe südöstlich von Regulus. Da der Löwenstern praktisch auf der Ekliptik liegt, wird er seit dem 26. Juni 2025 und noch bis zum 24. Januar 2027 nach jedem siderischen Mondumlauf (alle 27¹⁄₃ Tage) regelmässig bedeckt.

Mondparallaxe lässt Bedeckung an verschiedenen Orten anders aussehen

Natürlich muss der Mond über dem Horizont stehen, und ausserdem spielt der Blickwinkel, von der Erde aus gesehen, eine entscheidende Rolle, ob die Bedeckung an einem bestimmten Ort auf der Erde zu sehen ist oder eben nicht. Wie bei einer Sonnenfinsternis zieht der Mond quasi einen «Schatten durch Regulus» über die Erde (siehe Abbildung unten). Nur innerhalb eines schmalen schlauchartigen Gebiets kann die Regulus-Bedeckung am 29. März 2026 gesehen werden. Da uns der Mond recht nahe steht, verschwindet der Löwenstern von verschiedenen Längengraden aus betrachtet nicht an derselben Stelle am Mondrand – in der Astronomie werden die Ein- und Austrittspunkte mit dem Positionswinkel angegeben.


Im schlauchartigen Gebiet (rot umrandet) kann die Regulus-Bedeckung am 29. März 2026 beobachtet werden. Wir sehen, wie sich der Pfad von Westen nach Osten über die Erde zieht. Während über dem Atlantik noch Tag herrscht, kann die Sternbedeckung über Europa nach Sonnenuntergang bereits am dunklen Himmel verfolgt werden. Die feinen Kurven innerhalb des Bedeckungsgebiets zeigen, wo das Ereignis gerade beginnt (rot) und wo es endet (blau). (Grafik: Thomas Baer)

Während Regulus in Oslo nur noch knapp am nördlichen Rand des Mondes erfasst wird, erlebt Zürich eine mehr oder weniger zentrale Bedeckung. Im südlich gelegenen Tunis verschiebt sich die Bedeckungssehne südwärts und in der nigerianischen Stadt Kano zieht Regulus eine Drittel Mondbreite südlich am Mond vorbei ohne bedeckt zu werden.

Sternbedeckungen durch den Mond «nur» noch zweitrangig

Noch bis weit ins 20. Jahrhundert hat man Sternbedeckungen durch den Mond minuziös beobachtet, um präzise astronomische Messdaten zu gewinnen. Solche Beobachtungen ermöglichen die genaue Bestimmung der Mondposition, die Kartierung des Mondrandes (interessant für Sonnenfinsternisse) und die Ermittlung von Sterndurchmessern durch Analyse der Beugung des Sternenlichts am Mondrand. Zudem dienen sie der Überprüfung von Sternkatalogen.

Doch in den vergangenen Jahrzehnten sind Sternbedeckungen durch den Mond aus der professionellen Astronomie weitgehend verschwunden, da sie durch moderne Technologien (Lasermessungen, Raumsonden und Weltraumteleskope) redundant geworden sind. Heute konzentrieren sich Amateurastronomen stärker auf Sternbedeckungen durch Asteroiden (siehe dazu ORION 2/25). In der Schweizerischen Astronomischen Gesellschaft SAG-SAS hat sich die Fachgruppe «Sternbedeckungen» dieser Passion verschrieben. Mit eigens weiterentwickelten Kameras verfolgen Astronomen schweizweit solche «Mini-Sonnenfinsternisse» und zeichnen sie auf. Ihre Daten werden in einer riesigen Datenbank gesammelt und dienen dazu, die Bahnen von Asteroiden immer präziser zu bestimmen.

Für Laien ist die bevorstehende Regulus-Bedeckung jedoch ein durchaus lohnenswertes Himmelsereignis. Schon durch ein Fernglas lässt sich das schlagartige Verlöschen des Sterns am dunklen Mondrand verfolgen. Es empfiehlt sich, etwa eine Viertelstunde vor Beginn des Ereignisses mit der Beobachtung zu beginnen.

In der Rubrik «Heute am Himmel» finden Sie den ausführlichen Tageskalender. Überdies fasst das «Sternenhimmelheft 2026» von Astro Pool das Astronomiejahr 2026 illustrativ zusammen. Bestellen Sie ab dem 1. Februar 2026 bereits das «Sternenhimmelheft 2027» und das Sonnenfinsternis-Spezialheft zu den grossen europäischen Sonnenfinsternissen bis 2030.

Der Sternenhimmel im März 2026

Sternkarte gültig am

1. März 2026 23:00 Uhr MEZ
15. März 2026, 22:00 Uhr MEZ
31. März 2026, 21:00 Uhr MEZ / 22:00 Uhr MESZ


Anblick des abendlichen Sternenhimmels im März 2026. (Grafik: Thomas Baer)

Astronomische Ereignisse im März 2026

Die schönsten Monatsereignisse im Überblick

SonneAm 20. März überquert die Sonne um 15:46 Uhr MEZ den Himmelsäquator nordwärts. Wir haben den astronomischen Frühlingsbeginn und Tagundnachtgleiche. Sowohl morgens als auch abends merken wir nun, wie die Tage länger werden. Ab dem 29. gilt wieder die Sommerzeit; dann wird es abends ohnehin eine Stunde später dunkel.  
MondDer erste Frühlingsmonat startet mit dem Vollmond am 3. Wer sich zufällig in Asien, im Pazifikraum oder in Nord- oder Südamerika aufhält, kann Zeuge einer totalen Mondfinsternis werden. Bei uns steht der Vollmond zwischen 09:44 Uhr MEZ und 15:23 Uhr MEZ jedoch unter dem Horizont, doch das Griffith Observatorium in Los Angeles wird das kosmische Schattenspiel live übertragen. Nach dem Vollmondtermin nimmt der Trabant ab. Jetzt können wir ihn in der zweiten Nachthälfte und zur Monatsmitte hin am Morgenhimmel sehen. Das Letzte Viertel (abnehmender Halbmond) wird am 11. im Sternbild Schlangenträger erreicht. Bis zum 19. (Neumond) schleicht die täglich dünner werdende Mondsichel förmlich dem südlichen und südöstlichen Horizont entlang. Am 19. März können wir abends um 19:00 Uhr MEZ bei optimalen Sichtverhältnissen eine hauchdünne liegende Mondsichel nur 16.6 Stunden nach Neumond erleben! Danach zieht das «Mondhörnchen» an Venus vorbei in den Abendhimmel und erreicht am 25. das Erste Viertel (zunehmender Halbmond) hoch in den Zwillingen. Am 29. bedeckt der Dreiviertelmond zwischen 20:21 Uhr MEZ und 21:33 Uhr MEZ den Löwenstern Regulus, ein Ereignis, das sich gut mit einem Fernglas oder Teleskop beobachten lässt. Regulus ist zusammen mit Spica in der Jungfrau, Antares im Skorpion und Aldebaran im Stier einer der vier hellen Sterne, die vom Mond bedeckt werden können.


Eine hauchdünne liegende Mondsichel nur 16.6 Stunden nach Neumond können wir am Abend des 19. März 2026 sehen. (Grafik: Thomas Baer)
MerkurMerkur hat sich vom Abendhimmel zurückgezogen und gelangt am 7. März in untere Konjunktion. Gegen Monatsende kann man ihn mit etwas Glück vor Sonnenaufgang sehen.
VenusVenus setzt sich am Abendhimmel langsam besser als «Abendstern» durch.
MarsMars löst sich nur zögerlich westlich von der Sonne und bleibt weiterhin unbeobachtbar.
JupiterJupiter, hoch in den Zwillingen, verlangsamt seine rückläufige Bewegung und wird am 11. März stationär. Ab jetzt wandert er wieder Wasat (Delta Geminorum) entgegen.


Jupiter steht noch immer mitten in den Zwillingen. (Grafik: Thomas Baer)
SaturnWird von der Sonne eingeholt und steht am 25. März in Konjunktion.
UranusUranus kann mit Einbruch der Dunkelheit teleskopisch beobachtet werden. Wir finden ihn südlich der Plejaden.
NeptunNeptun gelangt am 22. März in Konjunktion mit der Sonne und bleibt unbeobachtbar.
Den täglichen Astrokalender mit viel mehr Informationen gibt es in der Rubrik «Heute am Himmel»

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