Thema des Monats: «Blue Moon» und andere «farbige» Vollmonde
In diesem Mai gibt es wieder einmal einen sogenannten «Blue Moon». Doch mit der Färbung hat dieses Phänomen nur am Rande etwas zu tun. Allerdings erscheint uns der Vollmond in der Tat nicht immer gleich farbig. Dies ist aber auf die atmosphärischen Bedingungen zurückzuführen.
Beitrag: Thomas Baer, Redaktion ORION
Wenn wir vom «Blue Moon» («Blauen Mond») sprechen, so hat dies keineswegs damit zu tun, dass er uns blau erscheint oder wir zu tief ins Glas geguckt haben, im Gegenteil. Vielmehr geht dieser Begriff auf die Redewendung «once in a blue moon» zurück und meint damit ein sporadisch stattfindendes seltenes Ereignis. Erstmalig erwähnt wird diese Wendung im satirischen Gedicht «Rede me and be nott wrothe» aus dem 16. Jahrhundert (veröffentlicht 1528) von William Roy und Jerome Barlowe. Dort heisst es: «Yf they say the mone is blewe. We must believe that it is true.» («Wenn sie sagen der Mond sei blau, müssen wir glauben, dass es wahr ist.»)
Der «Blue Moon» hat mit der Färbung nur indirekt etwas zu tun
Astronomisch ist mit dem «Blue Moon» ein zweiter Vollmond im selben Kalendermonat gemeint, was rund alle 2 bis 3 Jahre vorkommen kann. Da bis auf den Februar alle Kalendermonate 30 oder 31 Tage haben, sind sie länger als der synodische Mondmonat mit einer Dauer von 29½ Tagen. Fällt nun der Vollmondtermin, wie in diesem Mai gleich auf den Monatsersten, so reicht es zum Monatsende hin gleich noch für einen zweiten Vollmond. Diesen erleben wir am 31. in den Vormittagsstunden. Überdies handelt es sich um den kleinsten Vollmond des Jahres.
Über verschiedene Umwege fand der «Blaue Mond» umgangssprachlich seine Verbreitung in der Öffentlichkeit. Es ist aber kein astronomisch-wissenschaftlicher Begriff. Der Bezug zur Farbe Blau kann nur gemutmasst werden. In einer Quelle fand ich Hinweise darauf, dass es nach dem katastrophalen Ausbruch des Vulkans Krakatau am 27. August 1883 weltweit vulkanische Dämmerungserscheinungen gab, etwa besonders farbenprächtige Sonnenauf- und -untergänge und durch die Schwefelsäure-Aerosole in der Stratosphäre auch ungewohnte pinke und violette Dämmerungsfarben. Sogar in der Kunst hat sich die Krakatau-Asche im wörtlichen Sinne niedergeschlagen, so etwa im «Schrei» von Edvard Munch, in den Pastellskizzen des englischen Malers William Ashcroft oder in den Landschaftsbildern des amerikanischen Künstlers Martin Johnson Heade.

Edvard Munchs «Der Schrei» mit dem roten Himmel, vermutlich inspiriert durch den Ausbruch des Vulkans Krakatau.
Die nächsten «Blauen Monde»
| 31. Mai 2026 | Erster Vollmond am 1. Mai 2026 |
| 31. Dezember 2028 | Erster Vollmond am 2. Dezember 2028 |
| 30. September 2031 | Erster Vollmond am 1. September 2031 |
| 31. Juli 2034 | Erster Vollmond am 1. Juli 2034 |
Geschwächter Mondschein nach dem Krakatau-Ausbruch
Wissenschaftler untersuchten damals die atmosphärischen Folgen und versuchten die atmosphärisch-optischen Anomalien zu erklären. Sie vermuteten richtig, wie wir heute wissen, dass die intensiven Dämmerungserscheinungen in den mittleren und höheren Breitengraden wohl auf die Aschewolke des Krakatau in den hohen Luftschichten zurückzuführen gewesen sein musste.
Interessant aber ist jedoch der Umstand, dass in den Jahren nach der Krakatau-Katastrophe in Indonesien totale Mondfinsternisse zum Teil völlig schwarz oder aschgrau, statt rötlich ausfielen und es Schilderungen gibt, die den Mond auch sonst blasser und bläulicher beschreiben.
Vergleichbare Phänomene konnte man nach den legendären Ausbrüchen des El Chichón (1982) und des Pinatubos (1991) beobachten. Auch nach diesen Vulkanausbrüchen gab es extrem dunkle Mondfinsternisse (30. Dezember 1982 und 9./10. Dezember 1992).

Oben links sehen wir einen «ungetrübten» Vollmond, oben rechts gelblich gefärbt durch Sahara-Staub, unten links orange verfärbt durch die Rauchschwaden der kanadischen Waldbrände im Juni 2025 und unten rechts während der totalen Mondfinsternis am 27. Juli 2018. (Alle Bilder: Thomas Baer)
Oranger Mond durch Rauchschwaden von Waldbränden
In jüngster Zeit gibt es bei uns in Mitteleuropa häufiger Saharastaub-Ereignisse, verglichen zu den 1970er- und 1980er-Jahren. Auch wenn es schon damals solche Staubfahnen aus Afrika bis nach Europa schafften, so haben die Wissenschaftler eine Intensitätszunahme dieser Staubtransporte in den letzten Jahren festgestellt. Diese lassen tags die Sonne nur fahl durchscheinen; eine Stimmung, wie man sie noch am ehesten während einer partiellen Sonnenfinsternis erlebt. Der Himmel ist grau bis leicht gelblich gefärbt, und das Licht des Mondes wird ebenfalls leicht nach gelb verfärbt.
Besonders eindrücklich war die Färbung des Mondes im vergangenen Juni, als es die Rauchschwaden der verheerenden Waldbrände in Kanada bis zu uns nach Europa schafften. So orange sah ich noch selten einen Vollmond!

Im vergangenen Juni trübten die Rauchwolken der kanadischen Waldbrände deutlich sichtbar weite Teile Europas. (Quelle: DWD)
Die Lichtstreuung macht die Färbung aus
Primär ist die Lichtstreuung für diese Farb-Effekte verantwortlich. Dabei spielen einerseits die Grösse, aber auch die Form der streuenden Partikel eine wesentliche Rolle. Aerosole, also ein Gemisch aus festen, flüssigen und gasförmigen Teilchen zumeist im Submikrometerbereich können nach einem Vulkanausbruch eine feine Schicht in der Stratosphäre (zwischen 15 – 25 km Höhe) bilden und eine Verblassung und Trübung verursachen. Der Sonnen- und Mondschein erscheinen matter als bei klarer Atmosphäre.
Die sogenannte Mie-Streuung lässt den Mond in der Regel gelblich oder gar leicht orange erscheinen. Dies ist jedoch von der Grösse der streuenden Partikeln abhängig. Haben die Teilchen eine spezifische Grösse und eine gewisse Dichte, können sie das rote Licht sogar stärker streuen als das blaue, was den Mond tatsächlich leicht bläulich färbt. Dies ist jedoch ein seltener Effekt, womit wir wieder beim «Blauen Mond» wären.

| Mie-Streuung Wenn die Teilchengrösse mit der Wellenlänge vergleichbar ist, ist die Streuung (näherungsweise) gleichmässig in allen Richtungen. Zusammen mit dem Anstieg des Quotienten r/λ (Teichenradies zur Wellenlänge) steigt auch die Asymmetrie der beobachteten Streuung. Im Fall, wenn der Teilchenradius grösser als die Wellenlänge ist, wird die Streuung in Richtung der gestreuten Welle dominierent (es gibt eine Streuung nach vorne), und die Änderung der Wellenlänge der einfallenden Welle ist praktisch vernachlässigbar. Rayleigh-Streuung Die Rayleigh-Streuung ist ein physikalisches Phänomen, bei dem elektromagnetische Wellen (wie Licht) an Teilchen gestreut werden, die viel kleiner als ihre Wellenlänge sind. Sie ist der Hauptgrund dafür, dass der Himmel tagsüber blau und bei Sonnenuntergang rot erscheint. Die Rayleigh-Streuung ist überdies verantwortlich dafür, dass uns entfernte Berge oder Hügel bläulich und kontrastärmer erscheinen, da das gestreute Himmelslicht das reflektierte Licht des Objekts überlagert. Extinktion Wenn wir von der Extinktion sprechen, meinen wir die gesamte Intensitätsabnahme (Schwächung) von Licht durch Schwebeteilchen in der Luft, besonders gut in Horizontnähe zu beobachten. Die Extinktion ist die Summe aus Absorption und Streuung. Lichtstreuung ist demnach ein wesentlicher Bestandteil der Extinktion, aber nicht deren einzige Ursache. |
Der «blutrünstige» rote Mond
Viele Medien, aber auch zahlreiche YouTube-Kanäle buhlen heute mit reisserischen Schlagzeilen um die Gunst ihrer Leserschaft und Zuschauer. So hat sich der «Blutmond», ein Begriff aus der Astrologie, für eine totale Mondfinsternis als populärer Begriff längst etabliert. Historisch gesehen, interpretierte man eine Mondfinsternis oder eben «den roten Mond» in etlichen Kulturen als Vorzeichen für Unheil, Kriege oder Naturkatastrophen. Die Amazonas-Indianer, aber auch die Wikinger erklärten sich das Phänomen durch Mythen, in denen der Mond blutend verletzt oder von einem Wolf verschlungen wird.
Heute wird der Begriff «Blutmond» von Journalisten fast schon inflationär verwendet. Den Vogel schoss seinerzeit 2018 die Schlagzeile «Die Super-Blau-Blutmond-Finsternis» ab, in der der zweite Vollmond am 31. Januar 2018, zudem in Erdnähe stehend, mit der damaligen totalen Mondfinsternis der Leserschaft, kompakt zusammengefasst, erklärt wurde.
Der «Schwarze Mond» – und die Vermischung Astronomie und Astrologie
Auch beim «schwarzen Mond» handelt es sich nicht um eine astronomische Begriffsbezeichnung. Wie beim «blauen Mond» geht es hier diesmal um einen «überzähligen» Neumond in derselben Jahreszeit. Normalerweise fallen drei Neumonde in eine Jahreszeit. Auf den vergangenen Sommer (21. Juni bis 22. September 2025) entfielen ausnahmsweise vier Neumonde (am 25. Juni, 24. Juli, 23. August und 21. September). Der dritte Neumond wird dabei als «schwarzer Mond» oder «Schwarzmond» bezeichnet, ein Begriff, der seine Wurzeln ebenfalls in der Astrologie hat, für viele Medien aber ein gefundenes Fressen war: So titelte der Tages Anzeiger damals im August «Der «Schwarze Mond» geht auf – und öffnet den Blick auf die Milchstrasse».
Sinnigerweise sieht man einen Neumond («schwarzen Mond») nicht, womit die obige Schlagzeile dem Leser etwas vermittelte, was aus rein astronomischer Sicht, einem völlig unspektakulären und eben nicht einmal beobachtbaren Ereignis gleichkommt. Im selben TA-Artikel stand weiter: «Ein seltener Neumond sorgt an diesem Wochenende für besonders dunkle Nächte – zur Freude von Sternguckern – und befeuert zugleich Spekulationen über biblische Endzeitzeichen». Dieser Beitrag zeigte exemplarisch, wie auch in der heutigen Zeit Astronomie und Astrologie noch immer permanent verwechselt und vermischt werden. Neumondnächte sind immer prädestiniert, da dunkel, für Deep Sky-Beobachtungen und optimale Zeitfenster für Astrofotografen.
Der «schwarze Mond» wird aber nicht bloss nur als dritter Neumond in einer Jahreszeit mit vier Neumonden bezeichnet, sondern wie der «blaue Mond» auch als zweiter Neumond im selben Kalendermonat.
Viel mehr solche Ereignisse erwähnen wir in der Rubrik «Heute am Himmel», wo wir einen ausführlichen astronomischen Tageskalender führen. Überdies fasst das «Sternenhimmelheft 2026» von Astro Pool das Astronomiejahr 2026 illustrativ zusammen. Bestellen Sie bis zum 31. Juli 2026 bereits das «Sternenhimmelheft 2027» . Mittlerweile ist das Sonnenfinsternis-Spezialheft zu den grossen europäischen Sonnenfinsternissen bis 2030 erschienen und im Shop von Astro Pool nachzubestellen. Sollten Sie in Ihrer Verwandtschaft Leute kennen, die im kommenden August nach Spanien reisen wollen, wäre dieses Spezialheft sicher ein wertvoller und informativer Begleiter.
Der Sternenhimmel im Mai 2026
Sternkarte gültig am
1. Mai 2026 24:00 Uhr MESZ
15. Mai 2026, 23:00 Uhr MESZ
31. Mai 2026, 22:00 Uhr MESZ
Anblick des abendlichen Sternenhimmels im Mai 2026. (Grafik: Thomas Baer)
Astronomische Ereignisse im Mai 2026
Die schönsten Monatsereignisse im Überblick
| Sonne | Die Sonne steigt im Mai nicht mehr so stark an; sie befindet sich ja fast schon in den höchsten Deklinationen. Wir merken dies, dass sich die Sonnenuntergänge nur noch um eine halbe Stunde verspäten und es auch morgens über den gesamten Monat betrachtet gut 35 Minuten früher hell wird. |
| Mond | Wie eingangs geschildert, starten wir gleich mit dem Vollmond in den Monat (1. Mai). Dieser findet im Sternbild Waage statt. Eine gute Woche später – der Mond ist wegen seiner erdfernen Stellung etwas langsamer unterwegs – haben wir am 9. Mai das Letzte Viertel (abnehmender Halbmond) erreicht. Bis zum 16. (Neumond) nimmt der Mond weiter ab und schleicht dem südöstlichen Horizont entlang. Am Abend des 17. lässt sich die sehr schmale zunehmende Mondsichel nur knapp 24 Stunden nach Neumond gegen 21:45 Uhr MESZ erblicken. Fortan steigt der Trabant jeden Abend höher in den Himmel und erreicht am 23. das Erste Viertel (zunehmender Halbmond) im Löwen, seine zweite volle Phase am 31. im Sternbild Skorpion. |
| Merkur | Merkur steht in der ersten Monatshälfte noch westlich der Sonne, schliesst aber rasch zu ihr auf und kann nicht mehr morgens gesehen werden. Der flinke Planet gelangt am 14. Mai in obere Konjunktion mit der Sonne und wird dabei zwischen 11:42.3 Uhr MESZ und 20:15.3 Uhr MESZ von der Sonne bedeckt, was natürlich nicht beobachtet werden kann. Danach nimmt Anlauf zur zweitbesten Abendsichtbarkeit in diesem Jahr. Ab dem 25. können wir ihn gegen 22:00 Uhr MESZ tief im Westnordwesten erspähen. Bis zum 31. steigt er rasch höher. Seine Helligkeit geht auf –0.56mag zurück.![]() Merkur taucht zum Monatsende hin in der Abenddämmerung auf. (Grafik: Thomas Baer) |
| Venus | Venus wandert durch den Stier in die Zwillinge und wird ihrem Namen «Abendstern» jetzt mehr und mehr gerecht. Am 18. Mai begegnet ihr die schmale, zunehmende Mondsichel. |
| Mars | Mars vergrössert seinen Abstand von der Sonne zwar auf rund 30°, doch bleibt er noch unbeobachtbar. |
| Jupiter | Jupiter bewegt sich rechtläufig durch die Zwillinge (Delta Gemini) und verlegt seine Untergänge im Laufe des Monats auf die Zeit vor Mitternacht. Am 30. April hat er den Zwillingsstern Wasat überholt und entfernt sich jetzt ![]() Venus und Jupiter rücken im Mai 2026 immer enger zusammen. (Grafik: Thomas Baer) |
| Saturn | Saturn kann im Laufe des Monats immer besser in der Morgendämmerung gesichtet werden. |
| Uranus | Uranus zieht sich vom Abendhimmel zurück und wird unsichtbar. |
| Neptun | Neptun hat sich nun doch ein Stück westlich von der Sonne entfern, bleibt aber noch unbeobachtbar. |
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