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Der Sternenhimmel im Oktober 2026

Thema des Monats: Saturns Ringe waren einst viel dicker

Saturn mit seinen Ringen ist unter den Planeten zweifelsohne der Formvollendetste. Auf der Sternwarte sorgt sein Anblick immer wieder für Entzücken, vor allem bei Menschen, die das allererste Mal durch ein Fernrohr schauen. Dass aber diese Ästhetik eine ziemlich turbulente Vergangenheit hat, wissen viele nicht.

Beitrag: Thomas Baer, Redaktion ORION

Am Abendhimmel machen sich die hellen Planeten rar bis auf Saturn. Dieser steht am 4. Oktober der Sonne gegenüber und mit 1.28 Milliarden km auch in Erdnähe. Im Walfisch geht er schon bald nach 19:15 Uhr MESZ auf und bleibt bis in den Morgen hinein im Westen sichtbar. In Abwesenheit der anderen hellen Planeten, die entweder bereits untergegangen sind oder allesamt erst in der zweiten Nachthälfte auftauchen, ist Saturn der «Star» am Oktoberhimmel.


Saturn erscheint uns bereits wieder mit 5.7″ weit geöffneten Ringen. (Bild: NASA)

Saturn ist nicht nur bei vielen Sternwartenbesucherinnen und -besuchern das Paradeobjekt schlechthin. Mit seinen filigranen Ringen, die nun wieder 5.7″ weit geöffnet sind, verzückt er sofort beim Blick durch ein Teleskop. Saturns Wahrzeichen, das ihm gelegentlich auch den Beinamen «Herr der Ringe» verleiht, haben gigantische Ausmasse. Der von der Erde aus sichtbare Teil misst rund 300’000 km im Durchmesser, was fast zwei Drittel der Distanz Erde – Mond entspricht. Allerdings, und dies mag erstaunen, offenbart das kosmische Schmuckstück ein verblüffendes Merkmal erst, wenn man genau von der Seite darauf blickt: Saturns Ringe sind im Durchschnitt nämlich gerade mal nur 10 bis 100 Meter dünn! Dies war auch der Grund, warum wir diese 2025 von der Erde aus vorübergehend gar nicht mehr sehen konnten. Verständlich, wenn wir uns den Planeten einmal als Modell der Grösse eines Fussballs (22 cm Durchmesser) vorstellen. In diesem Massstab hätten die markanten Hauptringe einen Aussendurchmesser von 49.3 cm bis 51.5 cm, je nachdem, welche Ringe man noch mitzählt. Die Dicke allerdings würde nur 18 Nanometer (18 Millionstel Millimeter) betragen! Ein solches Planetenmodell könnte man realistisch gar nicht nachbauen.

Kollisionen bis heute

Eine der drängendsten Fragen: Warum verteilt sich das lose Material derart flach in der Äquatorebene des Planeten? Die Antwort gibt uns die Physik sowie die Gesetze der Kollision. Nicht immer waren nämlich die Saturnringe so dünn wie heute, sondern bildeten einen eigentlichen Wulst. Die Ringe bestehen aus Myriaden einzelner Eis- und Gesteinspartikel und reichen vom winzigen Staubkorn bis hin zu hausgrossen Felsbrocken. Die Astronomen vermuten, dass dieses zerbröselte Material ursprünglich von einem eisigen Mond oder einem vorbeifliegenden Kometen stammen könnte, der dem Planeten zu nahekam und durch dessen enormen Gezeitenkräfte förmlich zerrissen wurde.

Erst im Laufe von Jahrmillionen ordneten sich die Trümmer in einer extrem dünnen Scheibe um Saturn an. (Grafik: Thomas Baer)

Einst kreisten diese Trümmer auf noch völlig chaotischen und elliptischen Bahnen um Saturn. Auch ihre Neigungswinkel waren noch verschieden, und so kam es unweigerlich zu Kollisionen. Stossen zwei solche Brocken zusammen, die sich nach «oben» oder «unten» bewegen, heben sich ihre vertikalen Bewegungsenergien auf; die Trümmer verlieren Schwung und «sacken» gewissermassen in die Äquatorebene ab.
Die einzige Bewegung, bei der die Partikel kollisionsfrei nebeneinander wandern können, ist die perfekte Kreisbahn in einer gemeinsamen rotierenden Ebene. Die Saturnringe sind somit eine Form von Akkretionsscheibe, allerdings mit einer Besonderheit: Die Ringe befinden sich in einem Zustand, in dem die Akkretion, also das Zusammenwachsen zu grösseren Körpern weitgehend blockiert ist.


Die Ringpartikel umlaufen den Planeten heute auf kreisförmigen Bahnen. (Bild: NASA)

Auch heute unterliegt die Ringmaterie gravitativen Wechselwirkungen mit Saturns Monden, aber auch die Ringe selbst unterliegen sogenannten Resonanzphänomenen. Sobald die Umlaufszeit im Verhältnis kleiner ganzer Zahlen stehen, treten diese auf. Die Cassinische Teilung, die markanteste Ringlücke, welche wir auch am Teleskop bei kleinerer Vergrösserung bereits sehen können, ist das Resultat des rund 400 km kleinen Mondes Mimas. Aber selbst in den kleineren Ringlücken wandern Hirten- oder Schäfermonde und stabilisieren die Ringstruktur. Daneben gibt es innerhalb der Ringe auch durchaus grössere Brocken, die «Moonlets» (Möndchen) genannt werden. Die Raumsonde Cassini konnte verdächtige längliche Strukturen aufnehmen, die das Resultat unterschiedlicher Relativgeschwindigkeiten sind und zu einer Art «Verwirbelung» führen können, sobald schnellere Partikel langsamere überholen. In der Fachliteratur werden diese Strukturen ihres Aussehens wegen «Propeller» genannt.


Die NASA-Raumsonde Cassini nahm am 21. Februar 2017 diese bemerkenswerten Aufnahmen einer «Propeller»-Struktur im A-Ring des Saturn auf. Dies sind die bislang schärfsten Bilder eines solchen Propellers; sie zeigen ein beispielloses Mass an Detailreichtum. Der Propeller trägt den Spitznamen «Santos-Dumont», benannt nach dem brasilianisch-französischen Luftfahrtpioniere. Bei dieser Beobachtung handelte es sich um Cassinis ersten gezielten Vorbeiflug an einem Propeller. Die Aufnahmen zeigen das Objekt aus Blickwinkeln von gegenüberliegenden Seiten der Ringe. Das obere Bild zeigt die von der Sonne beschienene Seite der Ringe, während das untere Bild die unbeleuchtete Seite darstellt, auf der das Sonnenlicht durch den im Gegenlicht liegenden Ring dringt. Die beiden als Abbildung A dargestellten Bilder wurden im gleichen Maßstab (0,13 Meilen bzw. 207 Meter pro Pixel) neu projiziert, um einen Vergleich zu erleichtern. (Bild: NASA / Raumsonde Cassini)

Viel mehr solche Ereignisse erwähnen wir in der Rubrik «Heute am Himmel», wo wir einen ausführlichen astronomischen Tageskalender führen. Überdies fasst das «Sternenhimmelheft 2027» von Astro Pool das Astronomiejahr 2027 illustrativ zusammen. Wir haben noch ca. 60 Hefte zum Verkauf im Shop!

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Der Sternenhimmel im Oktober 2026

Sternkarte gültig am

1. Oktober 2026 24:00 Uhr MESZ
15. Oktober 2026, 23:00 Uhr MESZ
31. Oktober 2026, 22:00 Uhr MESZ

Anblick des abendlichen Sternenhimmels im Oktober 2026. (Grafik: Thomas Baer)

Astronomische Ereignisse im Oktober 2026

Die schönsten Monatsereignisse im Überblick

SonneIm Oktober durchwandert die Sonne das Sternbild Jungfrau und tritt am 31. in die Waage über. Die Mittagshöhe nimmt von 39° auf etwas mehr als 28° deutlich ab. Abends geht das Tagesgestirn deutlich früher unter, und spätestens nach der Zeitumstellung auf die europäische Normalzeit am 25. merken wir das frühe Eindunkeln ohnehin.
MondSchon am 3., erreicht der Mond das Letzte Viertel (abnehmender Halbmond) hoch in den Zwillingen. Danach nimmt der Trabant weiter ab und kann als immer dünner werdende Sichel am Morgenhimmel gesehen werden. Am 5. gegen 07:00 Uhr MESZ zieht er weniger als 1° nördlich an Mars vorüber und trifft tags darauf auf Jupiter. Neumond verzeichnen wir am 10. im Sternbild Jungfrau. Für den Rest des Monats ist der Mond am Abend- und Nachthimmel zu sehen. Das Erste Viertel (zunehmender Halbmond) wird am 18. erreicht, Vollmond am 26. Nur zwei Tage später bedeckt das Nachtgestirn ab 01:40 Uhr MESZ abermals die Plejaden. Diesmal ist die Beobachtung wegen des hellen Mondscheins nicht sehr einfach.


Der fast noch volle Mond bedeckt in den frühen Morgenstunden des 28. Oktobers 2026 abermals die Plejaden (Grafik: Thomas Baer)
MerkurMerkur bleibt selbst während seiner grössten östlichen Elongation am 12. unbeobachtbar. Trotz seines Abstands von 25.2° von der Sonne, kommt ihm der abendliche Horizont förmlich in die Quere. Er wandert fast parallel zu diesem und schafft es daher nicht, sich aus der hellen Dämmerung zu lösen. Er geht nur kurz nach der Sonne unter.
VenusVenus wird am 2. stationär und wandert für gut 42 Tage relativ zur Ekliptik rückläufig der Sonne entgegen und an ihr vorbei. Zur unteren Konjunktion kommt es am 24. Dabei läuft Venus 6.5° südlich am Tagesgestirn vorüber.
MarsMars durchwandert im Oktober das Sternbild Krebs in Richtung Löwe. Dabei durchquert er vom 9. bis 14. den offenen Sternhaufen M44 (Krippe), ein lohnendes Sujet für Astrofotografen! Langsam wird der Rote Planet auffälliger; ein Indiz, dass er auf seine nächste Opposition 2027 zusteuert.


Mars in der Krippe. (Bild: Fabian Mathis)
JupiterDer grösste Planet des Sonnensystems wandert im Oktober auf den Löwen zu, was wir gut am Stern Regulus verfolgen können. Am 1. sehen wir ihn noch 10.6° westnordwestlich von ihm, am 31. sind es nur noch 6°. Auch die Helligkeit Jupiters nimmt im Laufe des Monats von –1.87mag auf –2.01mag zu. Jupiter und Mars rücken immer enger zusammen. Ende Monat trennen die beiden nur noch etwas mehr als 5° voneinander.
SaturnDer Ringplanet wird dank seiner Opposition am 4. zum «Planeten der ganzen Nacht». Er kulminiert an diesem Tag um 01:21 Uhr MESZ 44.6° hoch im Süden. Er ist jetzt mit +0.32mag visueller Helligkeit am hellsten.
UranusUranus können wir bereits ab den Abendstunden zwischen Aldebaran und den Plejaden teleskopisch beobachten.
NeptunNeptun ist wie Saturn nach seiner Opposition im August teleskopisch am Abendhimmel zu beobachten und kann für den Rest der Nacht etwas östlich des Frühlingspunktes aufgespürt werden.

Den täglichen Astrokalender mit viel mehr Informationen gibt es in der Rubrik «Heute am Himmel»

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