Am 19. März 2026 kann etwa eine halbe Stunde nach Sonnenuntergang die nur 16.6 Stunden junge Mondsichel in der noch hellen Abenddämmerung gesehen werden. Empfohlen ist dabei ein Teleskop oder Fernglas. Ausserdem liegt die Sichel fast wie ein «Schiffchen», was mit der derzeitigen Lage der Mondbahn zu tun hat.
Beitrag: Thomas Baer, Redaktion ORION
Alle 18 Jahre wiederholt sich am Frühlingshimmel eine besondere Geometrie, die uns eine fast liegende Mondsichel beschert, so wie wir sie normalerweise nur in den Äquatorgegenden erleben können. Wenn am 19. März 2026 die Sonne in Zürich um 18:37 Uhr MEZ untergeht, steht die hauchdünne, fast liegende Mondsichel noch knapp 7½° hoch über dem Sonnenuntergangspunkt am hellen Himmel. Von blossem Auge wird man den Mond nur 16.5 Stunden nach Neumond jetzt noch nicht sehen, selbst durch ein Fernglas nicht.
Wir müssen uns mindestens bis 19:00 Uhr gedulden, um den extrem schmal beleuchteten «unteren» Rand des Mond – es sind bloss 0.7 % von der Sonne beschienen – zu sehen. Jetzt steht die Sonne knappe 5° unter dem Westhorizont, die Mondsichel noch 3¾° hoch, was etwas weniger als 8 Monddurchmesser entspricht. Ab jetzt bis zum Monduntergang um 19:28 Uhr MEZ sollte man den Mond sichten können.
Allerdings ist ein tiefer und freier Westhorizont erforderlich und sehr klare Sicht! Wettertechnisch sieht es nicht einmal so schlecht aus.
Fotografisch sind schon dünnere Mondsicheln gesichtet worden
Der französische Astronom André Danjon, den wir eher von seiner fünfstufigen Mondfinsternis-Helligkeitsskala her kennen, befasste sich u. a. auch mit der Sichtbarkeit der Mondsichel sehr nahe an der Sonne. Er definierte einen Radius von 7°, innerhalb dessen man eine Mondsichel, zumindest von blossem Auge kaum mehr sehen kann. Fotografisch ist es allerdings schon gelungen, den Mond 5° neben der Sonne abzulichten. Im Weltall ist es sogar möglich die Mondsichel nur 2° neben der Sonne (bloss 4 Monddurchmesser!) zu sehen, natürlich, wenn man die blendende Sonne abschirmt.

Hier sehen wir eine analoge Situation, diesmal jedoch am Morgenhimmel, und zwar am 6. September 2021. An jenem Morgen stand der Mond kurzzeitig perfekt senkrecht über der Sonne, womit er genau von «unten» beschienen wurde. (Bild: Thomas Baer)
Die Geometrie macht’s möglich
Im Frühjahr schwingt sich abends die Ekliptik, so wird die scheinbare Jahresbahn der Sonne genannt, sehr steil über den westlichen Horizont (siehe Animation unten). Da die Mondbahn ihrerseits um 5° von der Ekliptik abweicht und der Mond in diesem Abschnitt (Sternbilder Fische und Widder) nördlich von ihr steht, steht die Sichel, wie im Bild oben, fast senkrecht über der bereits untergegangenen Sonne. Somit wird der Mond von «unten» beleuchtet und liegt daher wie ein «Schiffchen» am Abendhimmel. Normalerweise erlebt man einen liegenden Mond so nur in den Regionen um den Äquator, weil dort die Ekliptik sowohl morgens, als auch abends fast senkrecht zum Horizont steht.
In dieser Animation sehen wir die aktuelle Situation der liegenden Mondsicheln am Frühlings-Abendhimmel. (Animation: Thomas Baer, Astro Pool)
Wiederholung alle 18 Jahre
Weil die Mondbahn nicht fix im Raum steht, sondern die Mondknoten (Schnittpunkte zwischen der Ekliptik und der schiefen Mondbahn) in 18.6 Jahren eine volle Umdrehung rückläufig (nach Westen) vollzieht, verschiebt sich über die Jahre betrachtet auch die Mondbahn. In 9 Jahren etwa, also 2035, läuft der Mond im Frühjahr abends südlich der Ekliptik, und wir sehen dann eher wieder eine aufrechtere, leicht nach links gekippte Mondsichel. Erst wenn der aufsteigende Mondknoten wieder mit dem Frühlingspunkt zusammenfällt – eben in rund 18 Jahren (!) – werden wir wieder liegende Mondsicheln am Abendhimmel erleben.
Analog dazu ist die Situation am Morgenhimmel im Herbst (Monate September und Oktober). Nach 2021 müssen wir bis ins Jahr 2039 warten, ehe wir in der Morgendämmerung wieder liegende Mondsicheln sehen können.
Nicht mehr ganz so schmale Sicheln im April und Mai
Wer den hauchdünnen Mond am 19. März verpasst, kann sein Glück am 18. April und am 17. Mai 2026 nochmals versuchen. Im April steht der Mond allerdings schon etwas weiter von der Sonne weg, dafür erwartet uns im Mai nochmals eine extrem schmale Sichel. Allerdings wird sie in beiden Fällen nicht mehr ganz so liegend erscheinen, wie noch am 19. März. Die Lage der Ekliptik «flacht» zum Sommer hin wieder etwas ab, und die Mondbahn verschiebt sich weiter, und so verändert sich langsam auch die abendliche Geometrie.