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Sonnenfinsternis: «Pleiten, Pech und nicht ganz intelligente KI» oder Harald Leschs ominöser «roter Punkt»

Die erste grosse Sonnenfinsternis in Europa seit 1999 ist bereits Geschichte und noch klingen viele Eindrücke nach. Doch es gab Momente, wo sogar ein Professor ratlos in die Sonne guckte und Optiker sich ob der riesigen Nachfrage an Sofi-Brillen erstaunt zeigten. Eines aber war klar: Über die grosse Sonnenfinsternis wusste man schon lange Bescheid; und ja, man hätte sich da und dort etwas früher und tiefgründiger damit befassen und die Öffentlichkeit rechtzeitiger informieren sollen. Wir haben es hier und auf unseren beiden YouTube-Kanälen getan.

Beitrag: Thomas Baer, Redaktion ORION

Im Vorfeld, aber auch während der Sonnenfinsternis und danach gab es ein paar «Augenzwinker», aber auch Kopfschütteln und Staunen mit Blick auf die öffentlich-rechtlichen Medien. Auch die KI scheint mit einer totalen Sonnenfinsternis so ihre Probleme zu bekunden. Doch das scheint viele Medien, die gerne bei anderen Themen ihre internen «Fakten-Checker» bemühen, wenig zu kümmern. So etwa konnte man gemäss Schweizer Fernsehen überall in der Schweiz ebenfalls die Sonnenkorona bewundern. Hier eine etwas kritisch-denkwürdig-amüsante Medienschau mit entsprechenden Links zum Nachsehen:

ZDF-Livesendung aus Mallorca – eher Unterhaltungssendung als Wissenschaft


Prof. Harald Lesch erkennt «roten Punkt» nicht als Protuberanz. (Screenshot aus dem ZDF-Livestream auf YouTube)

Mit viel, ja sehr viel Aufwand – der deutsche Steuerzahler wird es danken – reiste das ZDF, respektive das «Terra X-Team» um Prof. Harald Lesch mit Übertragungswagen nach Mallorca, um Live von der Sonnenfinsternis zu berichten. Die ersten Ruckler sowie Ton- und Bildausfälle begannen schon gleich zu Beginn der Sendung, als Co-Moderatorin Jasmina Neudecker den Regiewagen mit dem sinnigen Slogan «Mit dem Zweiten sieht man besser» besuchte, um wenig später in eingefrorenem (Bild-)Zustand gänzlich zu verstummen.

Nicht viel professioneller ging es dann mit dem Duo Lesch und Neudecker weiter. Ohne wirklich in die Tiefe zu gehen und spannende Aspekte rund um Sonnenfinsternisse zu erläutern – Stoff gäbe es zu Genüge (!) – wirkte die Live-Sendung auf weite Strecken wie ein seichter Talk im Schulfernseh-Stil mit einem oft etwas fahrig wirkenden Astrophysiker. Dieses Manko konnte auch die geladene Astrophysikerin Lisa Kaltenegger nicht wettmachen, die mit ihrem Gestikulieren manchmal eher wie eine Psychologin wirkte. Überzeugend dagegen kam Astronaut Alexander Gerst mit seinen Ausführungen herüber.
Völlig von der Rolle zeigte sich Harald Lesch, als die Totalität begann. Da konnte der Astrophysiker nicht einmal erklären, was der links am Sonnen-, respektive Mondrand sichtbare «rote Punkt» war. Auch in diversen Online-Kommentaren rieb man sich über Leschs Unwissen auf Neudeckers Frage, was denn der «rote Punkt» sei, die Augen. Lesch: «Das weiss ich nicht. Ich hab keine Ahnung, was das ist! Aber überraschend; was ist der rote Punkt? Fragen wir nachher Lisa.» Und als längst die Korona über Mallorca leuchtete, will Lesch noch «Perlenringe» (diesen Begriff gibt es gar nicht) gesehen haben. Womöglich sah er einfach die weiteren Protuberanzen, die bald einmal auf der gegenüberliegenden Seite sichtbar wurden.

Fazit: Sehr viele YouTube-Livestreamer an jenem Abend konnten ihren Zusehern weit mehr Informationen und auch besseres Bildmaterial bieten; und das notabene «gratis». Eine Live-Sendung über eine totale Sonnenfinsternis sollte sich primär um das «Haupt-Ereignis» drehen. In dieser Talk-Runde wurden jedoch sehr viele andere Themen angeschnitten, die mit einer Sonnenfinsternis nichts zu tun hatten. Auch die Bildqualität hielt sich in Grenzen und die Finsternis wurde zumeist «nur» als Stimmungskulisse gezeigt.

Anmerkung: Ich hatte mit der Terra X-Redaktion Kontakt und bot ihr bei einer nächsten Sofi-Sendung (wahrscheinlich 2027) als «Finsternis-Experte» zur Seite zu stehen.

https://www.youtube.com/watch?v=Y-0Wn3JBli0&t (von 42:46 – 45:57 und 1:21:50 – 1:22:42)

Und hier noch eine andere kritische YouTuber-Stimme: https://www.youtube.com/watch?v=SOdJyRl1Shk&t

SRF-KI-Animationen zeigen totale Sonnenfinsternis über der Schweiz



Totale Sonnenfinsternis über Basel. Wer hat sie gesehen? (Screenhot: SRF-Website)

Vorweg: Die Berichterstattung live vom Meteo-Dach und während der Tagesschau am Abend des 12. August waren gut und fachlich korrekt gemacht. Doch wenige Tage vor der Sonnenfinsternis waren auf SRF KI-generierte Animationen zu sehen, die allesamt totale Sonnenfinsternisse über der Schweiz simulierten, egal ob am Matterhorn, in Basel, Bern oder Schaffhausen. Überall dasselbe Bild. Schade drum, denn von Astro Pool und ORION hätten wir korrekte und naturechte Grafiken und Animationen dem Staatssender jederzeit zur Verfügung können, die den Zuschauer nicht mit einer totalen Sonnenfinsternis getäuscht oder «enttäuscht» hätten. Den Vergleich sehen Sie hier:

Bei ORIONmedien und Astro Pool sehen die Grafiken naturecht aus; nicht KI-generiert, sondern selbst entworfen. (Quelle: Astro Pool)

https://www.srf.ch/news/schweiz/partielle-sonnenfinsternis-am-mittwoch-geht-die-sonne-zweimal-unter

Fazit: KI kann längst nicht alles! Hier würde es sich lohnen, wenn Redaktionen vermehrt wieder auf wirkliche Fachleute zurückgriffen. Dies müssen nicht zwingend Astrophysiker und Professoren (siehe Lesch) sein, aber Leute, die etwas von der Sache verstehen. Selber denken und recherchieren wird eines Tages als «Qualitätslabel für guten Journalismus» stehen, denn in zahlreichen Belangen «versagt» die KI und entlastet uns im eigenen Denken nur bedingt. Eigene Erfahrung und Wissen kann durch die KI nie ersetzt werden. Vielmehr verleitet die KI zu einem oberflächlichen «Scheinwissen»; ein grosses Problem, mit dem sich die Schulen und generell unsere Bildung konfrontiert sehen.

KI-Grafik zeigt komplett falschen Finsternispfad

Und die KI lässt gleich nochmals grüssen! In einer Sonnenfinsternis-Vorberichterstattung, in der zwar der Pfad der totalen Finsternis im Text korrekt beschrieben wird, bildet man eine KI-generierte Karte (wird als solche so deklariert!) ab, die den Pfad völlig verzeichnet über Südfrankreich, Korsika bis nach Mittelitalien zeigt. Bei solcher Intelligenz fragt man sich zurecht, wohin uns die KI eines Tages noch führen wird. Dem unbedarften Leser dürfte dieser Lapsus nicht einmal aufgefallen sein, ganz getreu dem Motto: Was in der Zeitung steht, wird wohl stimmen. Hier haben selbst die «Fakten-Checker» versagt.  



Obwohl es im Internet Dutzende von Webseiten mit korrekten Grafiken gäbe, entschied sich dieses Blatt für eine KI-generierte und ziemlich falsche Finsterniskarte! Was an dieser Karte intelligent sein sollte? (Quelle: iks.haus)

Fazit: Es gibt Dutzende Astronomieseiten, die korrektes Grafik-Material zu Sonnenfinsternissen bereitstellen! Wie eine Redaktion auf die Idee kommen kann, die KI für eine Sonnenfinsterniskarte zu bemühen, ist daher unverständlich. Ein Blick auf das ORION-Portal 😉 hätte genügt!

Mangelware Sofi-Brillen – ein Bild wie damals 1999


Sofi-Brillen-Mangel? Nicht bei Foto Video ZUMSETEIN. Dieses Fachgeschäft hatte lange vor der Sonnenfinsternis Sofi-Brillen im Shop verkauft und auch verschiedentlich – unter anderem über ORIONmedien und Astro Pool – beworben. Der Fachhändler hat wohl das «Geschäft des Jahres» gemacht! (Quelle: BZ)

2021, 2022, 2025, 2026, 2027, 2028 und 2030 gab und gibt es über Europa nicht weniger als sieben partielle Sonnenfinsternisse. Wie man diese korrekt und gefahrlos beobachten kann und sollte, brauche ich hier nicht weiter auszuführen. Das Bild, welches sich in den Tagen vor der grossen Sonnenfinsternis vor so manchem Optik-Geschäft bot, erinnerte stark an 1999, als man – damals war die Finsternis über Frankreich, Süddeutschland, Österreich, Ungarn und Rumänien total – ebenfalls plötzlich keine Sofi-Brillen mehr hatte.
Caroline Liefke vom Haus der Astronomie in Heidelberg spricht ein bisschen Tacheles, was einerseits das Erstaunen über das grosse öffentliche Interesse sowie die Versäumnisse von Optikern und Astronomieverbänden anbelangt: «Nach x partiellen Sonnenfinsternissen», so Liefke, «müsste man eigentlich langsam wissen, wie das geht.»

Ich selbst stiess schon 2020 an, dass ORIONmedien zusammen mit der SAG-SAS, dem Schweizer Optikverband und anderen möglichen Partnern auf die sieben europäischen Sofis hin doch Brillen in einer grösseren Menge produzieren und zusammen mit einem Info-Flyer rechtzeitig und landesweit vertreiben könnte. Wenn man bei einer riesigen Bestellmenge die geringen Produktionskosten in Betracht zieht (Offerten liegen vor), wäre das für die Produktion investierte Geld durch den Verkauf der Brillen spätestens nach dem 12. August 2026 mehr als in die Kassen zurückgeflossen und für alle «Geldgeber» keineswegs zu einem Verlustgeschäft geworden. Alleine und ohne Partner konnte ich die Idee über den damals erst gegründeten Partnerverlag Astro Pool nicht umsetzen. Jetzt darf man gespannt sein, wie man sich auf die noch kommenden partiellen Sofis wappnet. Egal wie gross die partiellen Phasen dann ausfallen; Sofi-Brillen braucht es auch 2027, 2028, 2030 und 2034 wieder; und die zertifizierten Brillen haben bei korrekter Lagerung zum Glück kein Ablaufdatum.

Fazit: Schon 1999 gelobte man, es «ein nächstes Mal» besser zu machen! In der Tat hatte damals die SAG-SAS für ihre Sektionen ausreichend Sofi-Brillen zum Weiterverkauf via die Sternwarten bereitgestellt, in Optik-Geschäften allerdings hatte man es schon damals schlicht versäumt, Brillen in grossem Stil einzukaufen. Und so glichen sich 2026 die Bilder. Aber gemäss Optiker will man es «das nächste Mal» besser machen; wirklich? Dann aber müsste mit einer Produktion und Bestellung auf 2027 noch dieses Jahr begonnen werden.

(von 3:22 – 7:00 Kommentar sehens- und hörenswert)

Blick sorgte sich um die Haustiere


Der Blick sorgte sich um die Vierbeiner. (Screenshot: Blick)

Ziemlich dramatisch berichtete das Boulevardblatt «Blick» über das plötzliche Dunkelwerden über der Schweiz und fragte sich allen Ernstes, ob Hunde und Katzen ob einer Sonnenfinsternis erblinden könnten und der Vierbeiner gar eine Sofi-Brille bräuchte. Die Fragen, die in diesem nicht sonderlich aufschlussreichen Beitrag gestellt wurden, ähnelten sich. Entsprechend gleichlautend fielen die Antworten aus. Statt einen wirklich interessanten Beitrag über das Verhalten von Pflanzen und Tieren während einer Sonnenfinsternis zu bringen (auch hierzu gibt es viele interessante Beobachtungen!), begnügte man sich mit banalen Fragen, die nur ein bisschen «gesunden Menschenverstand» bedürfen, um sie gleich selbst mit «nein» zu beantworten.

https://www.blick.ch/life/natur/sonnenfinsternis-am-12-august-sonnenfinsternis-2026-gefahr-fuer-deinen-vierbeiner-das-musst-du-wissen-id22170767.html

Fazit: Dieser Beitrag passte gut ins «Sommerloch»! Statt dass gewisse Medien wesentlich frühzeitiger über die Sonnenfinsternis zu berichten begannen, griff man Themen wie das Obige auf.

Löbliche Beispiele zum Schluss – eine (noch unvollständige) Medienschau

Im Unter-Emmentaler (bereits am 24. Juli 2026)

Der Unter-Emmentaler mit einer Auflage von 25’000 Exemplaren berichtete bereits im Juli ganzseitig und frühzeitig, fachlich korrekt über die bevorstehende Sonnenfinsternis und liess auch Sam Anderegg, Leiter der Schulsternwarte Langenthal als Experten zu Wort kommen.

Aargauer Zeitung (vierteilige Serie «Im Schatten des Mondes» bereits ab Mai 2026)

Die Redaktion der Aargauer Zeitung (Auflage rund 46’000 Exemplare und rund 200’000 Leserinnen und Leser inkl. Online-Bereich), für die ich seit etlichen Jahren den «monatlichen Sternenhimmel» schreibe, ging auf mein Angebot ein, eine vierteilige Serie zur grossen Sonnenfinsternis am 12. August 2026 zu bringen. Im ersten Teil (unten) ging es unter anderem um die seltene Häufung zentraler Sonnenfinsternis in so kurzer Zeit über einem so kleinen Gebiet (Spanien), dann folgte ein Beitrag zur «langen Tradition der Schweizer Sonnenkoronaforschung», schliesslich (und rechtzeitig) ein dritter Beitrag zum Augenschutz und Sonnenfiltern für Teleskope und Fotoobjektive (mit Hinweis auf Foto Video ZUMSTEIN) und ein letzter Beitrag zu den besten Beobachtungsplätzen für den Abend des 12. August mit den genauen Zeiten sowie Phänomen, die während einer tiefen partiellen Sonnenfinsternis beobachtet werden können.

Radio SRF1 (berichtete am Tag der Sonnenfinsternis den ganzen Vormittag über das Ereignis)

In Becerril de Campos klingelte auf einmal mein Smartphone, und Marcel Hähni vom Schweizer Radio SRF1 fragte an, ob ich ihm über die Geschichte von Sonnenfinsternissen Red und Antwort stehen würde, was ich natürlich gerne machte. Auch Marc Horat vom Planetarium Luzern wurde interviewt! Zeitweilig horchte ich in die interessant gemachten Beiträge rein! Die Zuhörerinnen und Zuhörer bekamen sehr viele spannende Informationen und wertvolle Tipps für die abendliche Beobachtung. Ein Lob und einen Daumen nach oben fürs Schweizer Radio!

Sendet uns noch weitere Beiträge, die in eurer Umgebung erschienen sind, egal ob in einer lokalen Zeitung oder im Lokalradio.

redaktion@orionmedien.ch