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Zu starker Dunst trübte Sicht auf eine der schmalsten Mondsicheln

Wer gestern nach der nur 16.6 Stunden jungen Mondsichel Ausschau hielt, wurde, wie im Vorfeld angekündigt, etwas auf die Probe gestellt. Dass die Sichtung eine Herausforderung würde, war klar, denn visuell liegt die Sichtbarkeitsgrenze etwa bei 15 Stunden. Dazu aber müsste der Himmel bis an den Horizont extrem klar sein. Gestern lagen wir nur 1.6 Stunden über dieser «magischen Grenze» oder knapp 1° über dem theoretisch möglichen Bereich ausserhalb des hellen Sonnenbereichs.

Beitrag: Thomas Baer, Redaktion ORION

Ich entschloss ans Rheindelta am Bodensee zu fahren, denn vom Rohrspitz aus hat man mit Blick in Richtung Romanshorn fast den mathematischen Horizont. Den Sonnenuntergang im spiegelnden See konnte man einen Tag vor dem Frühlingsanfang genau im Westen noch perfekt sehen, doch die Dunstschichten in Horizontnähe liessen die Hoffnung auf die nur 0.7 % beleuchtete Mondsichel rasch schwinden.

Keine Frage: Wäre der Himmel bis in ca. 5° Höhe nicht getrübt gewesen, hätte man das «Neulicht», wie die erste Mondsichel nach Neumond auch genannt wird, mit etwas Suchen durchaus gesehen. So bleibt nun der Trost auf heute Abend, auch wenn das «Mondhörnchen» schon zu 4 % beschienen ist, dafür aber mit einem schönen Erdlicht am westlichen Himmel, rund 5° nordöstlich von Venus. Und wer noch einmal sein Glück mit einer wesentlich dünneren Mondsichel versuchen will, bekommt am 17. Mai 2026 gegen 21:45 Uhr MESZ eine nächste Chance. Dann wir sie allerdings nicht mehr ganz wie eine «Schale» liegen und wird 23.7 Stunden nach Neumond bereits zu 1.7 % beleuchtet erscheinen; immer noch sehr dünn, aber mit 14° Abstand zur Sonne – gestern waren es bloss 8° (!) – sicher problemloser zu sehen, sofern das Wetter gut ist.

Mediales Interesse

Die «liegende» und «rekordverdächtige» Mondsichel fand auch in diversen Medien Unterschlupf, obwohl ich auf Anfrage stets betonte, dass die Sichtung eine ziemliche Herausforderung werden würde, so wie auch im «Sternenhimmelheft 2026» von Astro Pool nachzulesen ist. Dort wird dies auch mit dem Titel «Die Jagd nach der schmalsten Mondsichel» und der Bildlegende «Wer erwischt den schmalsten Mond?» impliziert und das Phänomen näher erklärt.

Dünne Mondsicheln gibt es am Frühlingshimmel immer wieder mal zu sehen, genau so wie es immer wieder «grosse Vollmonde» gibt. Dass die Mondsichel allerdings wie ein Schiffchen fast horizontal liegt, ist in unseren Breitengraden doch eher selten und hängt mit der Lage der Mondbahn ab, die alle 18.6 Jahre einmal rückläufig durch die Ekliptik (scheinbare Sonnenbahn) wandert. Um das Jahr 2035 herum läuft die Mondbahn dann am Frühlings-Abendhimmel südlich der Ekliptik und wird uns dann eher wieder leicht gekippte Mondsicheln bieten.

Hier noch die nächsten dünnen «Frühlings-Mondsicheln» am Abendhimmel:

Samstag, 18. April 2026, 21:15 Uhr MESZ: Mondsichel, 31.3 Stunden nach Neumond (2.6 %)*
Sonntag, 17. Mai 2026, 21:45 Uhr MESZ: Mondsichel, 23.7 Stunden nach Neumond (1.7 %)*
Montag, 15. Juni 2026, 22:00 Uhr MESZ: Mondsichel, 17 Stunden nach Neumond (0.9 %)*

Dienstag, 9. März 2027, 19:00 Uhr MEZ: Mondsichel, 32.6 Stunden nach Neumond (2.0 %)*
Mittwoch, 7. April 2027, 20:30 Uhr MESZ: Mondsichel, 18.7 Stunden nach Neumond (0.9 %)*
Freitag, 7. Mai 2027, 21:30 Uhr MESZ: Mondsichel, 32.6 Stunden nach Neumond (2.6 %)*
Samstag, 5. Juni 2027, 22:00 Uhr MESZ: Mondsichel, 24.2 Stunden nach Neumond (1.6 %)*

Samstag, 26. Februar 2028, 18:45 Uhr MEZ: Mondsichel, 31.1 Stunden nach Neumond (1.6 %)**
Montag, 27. Februar 2028, 18:45 Uhr MEZ: Mondsichel, 38.1 Stunden nach Neumond (2.6 %)**

Samstag, 14. April 2029, 20:45 Uhr MESZ: Mondsichel, 21.0 Stunden nach Neumond (0.8 %)**

Ab 2030 beginnen die Mondsicheln am Frühlings-Abendhimmel wieder vermehrt schräg zu liegen. Erst ab den 2044er-Jahren wird es dann wieder horizontal liegende Mondsicheln im Frühjahr zu beobachten geben. Dann steht die Mondbahn wieder ähnlich wie aktuell.

* diese Sicheln erscheinen alle nicht liegend. Orange gefärbt sind die «schwierigen» Beobachtungen!
** diese Sicheln liegen nahezu horizontal


Keine schmale Mondsichel wegen des zu starken Horizontdunstes; dafür ein stimmungsvoller Sonnenuntergang. (Bild: Thomas Baer)